Mit welchen Religionen kann ein Philosoph noch einen vernünftigen Dialog führen? Fragen an Jürgen Habermas.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 7.7.2024, ergänzt am 17.März 2026 anläßlich des Todes von Jürgen Habermas am 14. März 2026.

Am 17. März 2026 publiziert:

Für Jürgen Habermas war seit 2001 das Thema “Die Bedeutung der Religionen in der (- in seiner Sicht -) nachmetaphysischen Gesellschaft” ein zentrales Thema. An die Diskussion mit Kardinal Ratzinger in München haben wir im Religionspphilosophischen Salon Berlin erinnert, an seine Gespräche in der “Philosophischen Hochschule” in München (unter Leitung der Jesuiten) ebenso.

Habermas hatte ein deutliches, manche sagen leidenschaftliches  Interesse, auf die in seiner Sicht heute noch hilfreichen Ressourcen der Religionen und besonders des Christentums für die Gestaltung der heutigen Gesellschaft hinzuweisen. Das sagte ein Philosoph, der sich selbst – bei allem Interesse an den Religionen – für unreligiös hielt. Aber was heißt das schon? Habermas warf (aus religiösem Interesse?) den heutigen christlichen Theologen später sogar vor, die Transzendenz Gottes zu vernachlässigen und dadurch die human wichtige Hoffnung auf Gott zu ignorieren. Einige Philosphen meinten, die Forderung von Habermas, die säkularen Menschen sollten auf die Ressourcen der Religionen achten und hören und vielleicht sogar lernen,  sei einseitig, weil eher wenig von seiner Seite betont wurde: Auch die Religionen müssen von den säkularen, aufklärerischen Philosophen LERNEN.

Aber für Habermas war immer deutlich: In einer pluralen Gesellschaft müssen Religionen “ihre aus religiösen Traditionen stammenden und immer noch vorgebrachten “Totalansprüche” aufgeben: um des Friedens und der Demokratie willen…Diese Aussage hat starke Bedeutung, wenn man sieht, dass heute im Katholizismus, bei den Evangelikalen und den Orthodoxen alte religiös genannte, tatsächlich aber rechtsextreme politische Machtansprüche immer mehr das kirchliche Klima bestimmen. Über die Rechtsextrem-Lastigkeit im franzöischen Katholizismus haben wir seit Jahren berichtet, immer geht es um ds Verbot jeglicher Abtreibung, um das totale Nein zur “Ehe für alle” und um das totale Nein zur gesetzlich gestalteten Sterbehilfe. Dies sind die politischen Felder, auf denen die Kirchen um den letzten Rest ihrer einstigen Macht kämpfen, abgesehen von der aktuellen Kriegstreiberei der Russisch -orthodoxen Kirche oder der scheinheilige  Leidenschaft vieler US Evangelikaler für Israel und seine reaktionäre Regierung.

Am 7.7.2024 publiziert:

1.
Im Jahr 2013 äußerte sich Jürgen Habermas erneut (zum letzten Mal in der Öffentlichkeit??) zum Thema „Politik und Religion“ (in dem Sammelband „Politik und Religion“, Hg. von F.W. Graf und H. Meier, C.H.Beck Verlag, 2013, dort S 287 ff.) Das Thema ist seit 2001 für Habermas wichtig.

2.
Wie zuvor tritt Habermas für die Bereitschaft der säkularen Philosophie ein, im Dialog mit den Religionen von den Religionen zu lernen. Dies aber nicht als „philosophisches Hobby“ einiger Spezialisten, sondern weil der Dialog den Transzendenz-Verlust der nachmetaphysischen Welt eventuell einschränken kann…

3.
Auf S. 299 – 300 erläutert Habermas noch einmal die Dringlichkeit des Themas:
Ausgangspunkt sind für ihn die „Mängel des „nachmetaphysischen Denkens“; aber diese „Mängel“ können sich „ausgleichen lassen“ durch die von Habermas oft schon geforderte „Versprachlichung des Sakralen“, es geht also um das Übersetzen religiöser Weisheiten in eine allgemein zugängliche vernünftige Sprache.

4.
Dieses Projekt ist dringend: Habermas spricht von dem „sich zum Universum abschließenden und versiegelnden Kapitalismus, der die Politik entwaffnet und die Kultur einebnet“.

Und angesichts dieser düsteren Situation der Lebensverhältnisse im Kapitalismus ist Habermas von „der Frage beunruhigt”, ob die philosophische Vernunft heute noch die Kraft findet, den eigenen „Defätismus“ (so Habermas wörtlich) zu überwinden.
Die Frage also ist: Hat der „in der Philosophie selbst brütende Defätismus der Vernunft“ die „Kraft zu einer Transzendenz“, so wörtlich, (also einer Transzendenz des Geistes, der Vernunft) „von innen vollends aufgezehrt“? Ist die „Spannkraft eines über den jeweiligen Status Quo hinauseilenden normativen Bewusstseins zermürbt“?

5.
Als Habermas diese Frage 2013 erörterte, gab es schon heftig den gewalttätigen, militanten religiösen Fundamentalismus in allen Religionen. Heute (2024) hat sich dieser religiöse Fundamentalismus weiter ausgebreitet und verschärft. Und manche Beobachter meinen zurecht, es gibt eigentlich kaum noch christliche dogmen-kritische, demokratisch organisierte, nicht – fundamentalistische sich christlich nennende Kirchen. (Bei den Orthodoxen ist die Situation noch düsterer, sie Patriarch Kyrill in Moskau).
Der römische Katholizismus kann sich diesem kleinen Kreis vernünftigen christlichen Glaubens leider nicht zugehörig fühlen, trotz aller ein bißchen progressiv wirkenden Aussagen von Papst Franziskus ! Der römische Katholizismus ist so stur, dass er sich bis heute gern stolz „nicht – demokratisch“ definiert. Wenn die „heilige Kirche“ schon nicht demokratisch ist, warum sollen es dann Staat und Gesellschaft sein, fragen sich viele katholische Lateinamerikaner z.B. und lieben dann halt die autoritären Regime seit altersher.
Und auch das weite Feld dessen, was sich protestantisch nennt, ist schon von Fundamentalisten beherrscht, man denke an die USA und die Herrn Trump förmlich anbetenden Massen der Evangelikalen.

6.
Also: Mit welchen Religionen hat die postsäkulare Philosoph überhaupt noch ernsthaft lernbereite Dialoge führen? Der Kreis der wirklich zu einem vernunftbestimmten Dialog innerhalb der Religionen ist heute (2024) minimal.

7.
Es wird natürlich immer Dialoge der höchsten Religionsvertreter geben, da werden gern fromme Sprüche ausgetauscht, aber unklar bleibt, welcher Maßstab denn ein mögliches gemeinsames inter -religiöses Friedensengagement bestimmt. Dies kann dich nicht ein bestimmter religiöser, kein konfessioneller Maßstab sein!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Wir haben 2024 auf eine Studie von Philipp Felsch über Habermas hingewiesen: LINK

Aktualisiert am 17. März 2026 durch CM

Willkommen im Religions-Philosophischen Salon Berlin

Der Religionsphilosophische Salon Berlin. Einige Hinweise von Christian Johannes Modehn und Hartmut Wiebus.

Wer sich zunächst für die Vielfalt der Themen interessiert, die wir in unserem “Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin” besprochen und diskutiert haben: LINK

1.
Der Religionsphilosophische Salon Berlin ist seit 2007 eine Initiative von Christian Johannes Modehn und Hartmut Wiebus. (Biographische Hinweise: Fußnote 1.)
 Übliche, also öffentliche Salon – Veranstaltungen fanden monatlich von 2007 – 2020 statt. Jetzt gestalten wir philosophisch – theologische Gespräche in kleinerem Kreis. Regelmäßig werden neue Beiträge als Hinweise zur philosophischen und theologischen Debatte auf unserer Website publiziert, bis jetzt sind es 1.800 Beiträge, “Hinweise” genannt, Stand 26.9.2025.

2.
 Titel und „Sache“ eines „(religions-)philosophischen Salons“ sind alles andere als verstaubt. Das Interesse an philosophischen Gesprächen und Debatten in überschaubarem Kreis, in angenehmer Atmosphäre eines Salons, ist evident. Das gilt, selbst wenn viele Interessierte beton(t)en, „Philosophie“ sei schwierig. Das ist sie vielleicht, nicht aber Philosophieren: Es ist das Lebenselement eines jeden Menschen.
 In unserem religionsphilosophischen Salon wird das möglichst eigenständige Philosophieren (kritische Nach – Denken) geübt.
 Philosophische Religionskritik gehört elementar zur Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie. Philosophische Religionskritik kann zeigen, welche Form einer vernünftigen Religion bzw. Spiritualität heute zur Lebensgestaltung gehören kann.

3.
 Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie gibt es nur im Plural, die (Religions-)Philosophien in Afrika, Asien und Lateinamerika dürfen nicht länger als „zweitrangig“ behandelt werden. In welcher Weise Religion dort zum „Opium“ wird angesichts des Elends so vieler Menschen, ist eine relevante Frage, auch angesichts der Zunahme von christlichem und muslimischem Fundamentalisten. Dringend ist die Frage: Inwieweit ist philosophisches Denken Europas eng mit dem kolonialen Denken verbunden?

4. 
In unseren Gesprächen wird oft erkannt: Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phien bieten in ihren vielfältigen Entwürfen unterschiedliche Hinweise zur Fähigkeit der Menschen, ihre engen Grenzen zu überschreiten und sich dem im Denken zu nähern, was die Tradition Gott oder Transzendenz nennt.

5.
 Uns ist es wichtig uns zu zeigen, dass Menschen im philosophischen Bedenken ihrer tieferen Lebenserfahrungen das Endliche überschreiten und das Göttliche, das Transzendente, erreichen können. Das Göttliche als das Gründende und Ewige zeigt sich dabei im Denken als bereits anwesend und dieses denkende Transzendieren ermöglichend. Die auf das Wesentliche reduzierte Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie von Kant gilt uns als wichtige Inspiration für eine heutige vernünftige (!) christliche Spiritualität.

6.
 Insofern ist Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie auch eine subjektive Form der Lebensgestaltung, d.h. eine bestimmte Weise zu denken und zu handeln.
Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie kennt keine Dogmen, sicher ist nur das eine Dogma: Umfassend selbstkritisch zu denken und alle Grenzen zu prüfen, in die wir uns selbst einsperren oder in die wir durch andere, etwa durch politische Propaganda, durch Konsum und Werbung im Neoliberalismus, eingeschlossen werden. Der Widerspruch und der Kampf gegen alle Formen des Rechtsradikalismus (AFD, FPÖ, Le Pen, usw.) und Antisemitismus muss zum Mittelpunkt nicht nur unserer, sondern der philosophischen Arbeit insgesamt werden. Es gilt, die Demokratie zu retten.

7.
 Die „Entdeckungsreisen“ der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phien können angestoßen werden durch explizit philosophische Texte, aber auch durch Poesie und Literatur, Kunst und Musik, durch eine Phänomenologie des alltäglichen Lebens, durch die politische Analyse der vielfachen Formen von Unterdrückung, Rassismus, Fundamentalismus, Kapitalismus. Mit anderen Worten: Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie findet eigentlich immer – oft umthematisch – in allen Lebensbereichen statt.

8.
 Wo hat unser religionsphilosophischer Salon seinen „materiellen“ Ort? Als Treffpunkt, als Raum, eignet sich nicht nur eine große Wohnung oder der Nebenraum eines Cafés, sondern auch eine Kunst – Galerie. In den vergangenen 7 Jahren fanden wir in der Galerie „Fantom“ in Charlottenburg freundliche Aufnahme. Zuvor in verschiedenen Cafés. Kirchliche Räume, Gemeinderäume etwa, sind für uns keine offenen und vor allem keine öffentlichen Räume.

9. 
In unserem religionsphilosophischen Salon sind selbstverständlich Menschen aller Kulturen, aller Weltanschauungen und Philosophien und Religionen willkommen. Unser Salon ist insofern hoffentlich ein praktisches Exempel, dass es in einer Metropole – wie Berlin – Orte geben kann, die auch immer vorhandenen „Gettos“ überwinden.

10.
 Darum haben wir in jedem Jahr im Sommer Tagesausflüge gestaltet, mit jeweils 10 – 12 TeilnehmerInnen: Etwa nach Erkner (Gerhart Hauptmann Haus), Karlshorst (das deutsch-russische Museum), Jüterbog als Ort der Reformation, das ehem. Kloster Chorin, Frohnau (Buddhistisches Haus), das Dorf Lübars… Außerdem gestalteten wir kleine Feiern in privatem Rahmen anlässlich von Weihnachten. Auch ein Kreis, der sich mehrfach schon traf, um Gedichte zu lesen und zu meditieren, hat sich aus dem Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon entwickelt. Aber alle diese Initiativen waren (und sind wohl) mühsam, u.a. auch deswegen, weil letztlich die ganze Organisation von den beiden Initiatoren – ehrenamtlich selbstverständlich – geleistet wurde und wird. Das ist der Preis für eine völlige Unabhängigkeit.

11.
 Anlässlich der „Welttage der Philosophie“, in jedem Jahr im November von der UNESCO vorgeschlagen, haben wir größere Veranstaltungen mit über 60 TeilnehmerInnen im Berliner AFRIKA Haus gestaltet, etwa mit dem Theologen Prof. Wilhelm Gräb, dem Theologen Michael Bongardt. Der Berliner Philosoph Jürgen Große hat in unserem Salon über Emil Cioran gesprochen, der Philosoph Peter Bieri diskutierte im Salon über sein Buch „Wie wollen wir leben?“, die Politologin Barbara Muraca stellte ihr Buch „Gut leben“ vor, Thomas Fatheuer von der Heinrich – Böll- Stiftung vertiefte das Thema; der evangelische Pfarrer Edgar Dusdal (Karlshorst) berichtete über seine Erfahrungen in der DDR; der Theologe der niederländischen Kirche der Remonstranten, Prof. Johan Goud (Den Haag), war zweimal bei uns zur Diskussion, öfter dabei waren Dik Mook und Margriet Dijkmans-van Gunst aus Amsterdam…

Die Liste unserer Gäste und Refernten: Zu unseren Gästen, auch als Referenten, gehören  Theologe Prof. Wilhelm Gräb, die Soziologin Prof. Barbara Muraca, Pfarrer Edgar Dusdal (Berlin), der Studienrat für Kunst Gerd Otto (Berlin), der Theologe und Kulturwissenschaftler Prof. Johan Goud (Den Haag), der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich (Leipzig), der Philosoph Prof. Lutz von Werder (Berlin), der Philosoph Dr. Jürgen Große (Berlin), der Buddhismus-Lehrer Michael Peterssen (Berlin), der Komponist Joachim Gies (Berlin), Dr. Dorothea Hasskamp vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst (Berlin)……

12.
 Es ist uns leider deutlich, dass innerhalb der philosophischen Studiengänge an Hochschulen und Universitäten nicht im entferntesten daran gedacht wird, auch das Berufsbild eines Leiters, einer Leiterin besser „Inspiratorin“ philosophischer Salons zu entwickeln. Damit PhilosophInnen freilich ,als Salonnières arbeiten können, müsste die Kulturpolitik entsprechend handeln. Aber die interessiert sich offenbar absolut vor allem für die so genannte Hochkultur der Oper und der Theater, nicht aber für eine Form der „Basis-Philosophie“ als Möglichkeit, vor Ort unter den vielfältigen Menschen tiefere Kommunikation zu ermöglichen.
Eigentlich bräuchte es etwa in Berlin in jedem Stadtbezirk mindestens einen philosophischen Salon, besser noch ein philosophisches „Haus“ mit öffentlich zugänglicher kleiner Fach – Bibliothek , Lesezimmer, Meditations- Denk-Raum und Tee/ Kaffee-Stube.Viele leerstehenden Kirchen könnten entsprechend umgestaltet werden. Dass dort auch philosophisch – literarische Debatten oder Diskussionen zu Grundfragen der Politik, der Kunst und Musik und Spiritualität stattfinden können, ist keine Frage.

13.
 Die Bilanz: Einige wenige Interessenten außerhalb von Berlin haben die Idee des religionsphilosophischen Salons aufgegriffen. Aber wir können nicht sagen, dass etwa im kirchlichen Bereich, evangelisch wie katholisch, die Idee des freien und undogmatischen und offenen Salon-Gesprächs aufgegriffen und realisiert wurde.
Je mehr Christen aus den Kirchen austreten, um so ängstlicher und dogmatischer werden die Kirchen(führer), also auch ihre Pfarrer usw. Der Weg der Kirche in ein kulturelles Getto scheint vorgezeichnet zu sein, zumindest für die katholische Kirche. Tatsächlich haben sich über all die Jahre unserer Arbeit sehr sehr wenige “Vertreter” der großen Kirchen für unsere Initiative überhaupt interessiert. Wir haben diese Ignoranz auch als Freiheit erlebt.

14.
 Hinweis zu unseren Themen:
Eine Übersicht unserer Themen im Salon von Februar 2020 bis 2015 finden Sie hier. Die Themen von 2009 bis 2015 werden demnächst dokumentiert. Die bisher 1.700 religionsphilosophischen und religionskritischen Hinweise von Christian Modehn, publiziert auf der Website www.religionsphilosophischer-salon.de, hatten bis zum  8.1.2026  3.007.000 „Zugriffe“, wie die Statistik dokumentiert.

15.
 Unser letztes öffentliches Salongespräch vor der Corona – Pandemie fand am Freitag, den 14.Februar 2020 , wie immer um 19 Uhr, statt, über das Thema: “Das Kalte Herz”. Mehr als ein Märchen (von Wilhelm Hauff). „Das kalte Herz“ offenbart die “imperiale Lebensweise”. 22 TeilnehmerInnen waren dabei. Leider mussten wir – wie öfter schon – acht Interessierten absagen, weil der Raum eben klein ist und nur eine überschaubare Gruppe eine Gesprächssituation ermöglicht. Aber das große Interesse, ohne jede öffentliche Werbung, allein im Internet, und ohne jede Finanzierung von außen, ist immer wieder bemerkenswert. Für einige vertiefende Hinweise zur imperialen Lebensweise: Beachten Sie diesen LINK.

16. Zu unseren Gästen, auch als Referenten, gehören etwa: Der Philosoph Prof. Peter Bieri, der Philosoph und Theologe Prof. Michael Bongardt, der Theologe Prof. Wilhelm Gräb, die Soziologin Prof. Barbara Muraca, Pfarrer Edgar Dusdal (Berlin), der Studienrat für Kunst Gerd Otto (Berlin), der Theologe und Kulturwissenschaftler Prof. Johan Goud (Den Haag), der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich (Leipzig), der Philosoph Prof. Lutz von Werder (Berlin), der Philosoph Dr. Jürgen Große (Berlin), der Physiker Dr. Hans Blersch (Berlin)…

17. Wir haben unsere philosophischen, religionsphilosophischen und theologischen Gespräche im Salon als Ausdruck der Spiritualität der freisinnigen protestantischen Remonstranten – Kirche (in Holland) verstanden. Dabei haben wir, ebenfalls der offenen, freisinnigen Theologie der Remonstranten entsprechend, keine Werbung für diese protestantische Kirche “betrieben”.

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Dieser Hinweis vom 7.2.2023 wurde am 3.2.2025 überarbeitet.

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FUßNOTE 1: 
Gründer und Initiatoren des „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin“:

Christian (Johannes, 2. Vorname) Modehn,  1948 in Berlin (Ost) – Friedrichshagen geboren, nach dem Abitur am Goethe – Gymnasium in Berlin – Wilmersdorf, Studium der katholischen Theologie (Staatsexamen nach 6 Jahren Studium in München, und St. Augustin bei Bonn und der Philosophie (Magister Artium in München, über Hegel). Christian Modehn war einige Jahre Mitglied einer katholischen Ordensgemeinschaft.  Christian Modehn arbeitet seit 1973 immer als freier Journalist über die Themen Religionen, Kirchen und Philosophien, für Fernseh- und Radiosender der ARD, sowie früher auch für die Zeitschrift PUBLIK – FORUM: LINK, sowie auch für “Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt” (Hamburg), “Informations Catholiques Internationales” (Paris), “de bazuin” (Utrecht)  usw.. Zur Information über einige Hörfunksendungen und Fernsehdokumentationen und zu einigen Buchpublikationen: LINKSeit 2010 ist Christian Modehn Mitglied der freisinnigen protestantischen Kirche der Remonstranten (Niederlande). 

Hartmut Wiebus, 1944 in Seehausen/Altmark geboren, hat in Berlin (F.U.) Pädagogik (Diplomarbeit über Erich Fromm) und Psychologie studiert, und vor allem als evangelischer Klinikseelsorger gearbeitet. Er hat u.a. viele unserer Themen angeregt und immer als Moderator die Gespräche begleitet.

Copyright: Christian Modehn und Hartmut Wiebus. Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 8. Januar 2026 durch CM

Räume, wo wir SCHREIEN können…

Ein Hinweis von Christian Modehn am 14.4.2022.

1.Wir brauchen heute Orte, wo wir schreien können, brüllen, fluchen, oft auch ohne Worte. Nur diese laute Klage! Kein eleganter Klage-Gesang, sondern nur brüllendes Stammeln, weil wir Krieg, Mord, Massenmord, Völkermord, nicht mehr runterschlucken und verdrängen können.

2. Der Krieg Putins gegen die Menschen im demokratischen Staat Ukraine sprengt unsere Geduld. Wir können das Abschlachten nicht mehr ertragen und nicht die horrenden Fehler der demokratischen Politiker gegenüber Putin seit spätestens 2014. Wir möchten unsere Wut darüber auch rausbrüllen.

Das kann uns dann wieder zur Sprache zurückführen, zum Disput, zur politischen Aktion.
Aber jetzt wollen viele ihre maßlose Wut, die hilflos ist, erst mal rausbrüllen, als Zeichen eines verzweifelten Neins zu diesem Verbrecher, der sich Politiker nennt und viele Jahre hofiert wurde, auch von deutschen Politikern…Auf Demonstrationen darf eher nicht geschrieen werden.

3. Haben wir fürs Schreien noch entsprechend große Räume und Orte? Nein. Obwohl diese Gebäude herumstehen, diese leeren Kirchen, die nur ein paar Stunden pro Woche von ein paar Leuten genutzt werden, sonst aber verschlossen sind als Beweis dafür, dass Kirche eigentlich verschlossen ist für die Menschen von heute und sich nichts Neues einfallen lässt, um in Kriegszeiten den Menschen auch hier beizustehen.

4.Gewiss: Wir brauchen Gesprächsräume angesichts des Krieges, Begegnungsräume mit Flüchtlingen, Räume, die Solidarität organisieren.
Aber wir müssen auch an unser seelisches Leiden denken. Für eine Therapie wären Räume nötig, wo wir schreien dürfen.

5. Eine Erinnerung:
“Räume des Schreiens” habe ich in San Francisco Mitte der neunzehnhundertachtziger Jahre erlebt. Sie waren in Kliniken und in Hospizen eingerichtet. Hier konnten Menschen laut schreien und heulen und klagen in ihrer seelischen Qual, in den Stunden, wo sie gerade Freunde verloren hatten. Sie waren als Schwule an AIDS gestorben. Da konnten nur die hartherzigen Moralapostel fundamentalistischen evangekikalen christlichen Glaubens stumm bleiben oder die Schwulen als Schweine titulietren.
Diese Schrei-Räume waren „ehrlich“, das heißt: Sie hatten nichts von der vornehmen Verschwiegenheit der Abschiedsräume in Krematorien und auf Friedhöfen. In den Schrei-Räumen von San Francisco durfte wirklich gebrüllt werden. Schreien ist eine Sprache, die der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit. Und auch die Sprache des Gebets, man lese bitte mal wieder die allgemein zugängliche Poesie der Psalmen.
Diese Räume des Schreiens hatten gepolsterte Wände, so dass die Außenwelt nicht gestört wurde. Sie hätte ruhig gestört werden sollen, aber die USA sind nun mal darauf bedacht, eine gewisse Sterilität zu pflegen.
Die Schreienden blieben meist unter sich, wenn nicht einige mitfühlende Freunde das Schwererträgliche mit ertragen und mit hören wollten.

6. Heute aber müssen wir schreien, angesichts des Krieges in der Ukraine, eines Krieges, der die ganze bisherige Welt-„Ordnung“ durcheinander schmeißt. Alles wird umgekrempelt, auch aller gute und vertraute Sinn geht weltweit verloren, wird bewusst vernichtet, bloß weil ein Verbrecher in Moskau sich diesen Krieg ausgedacht hat. Und dabei unterstützt wird von dem Chef der russisch-orthodoxen Kirche, dem Patriarschen Kyrill I., auch er, wie Putin, führendes KGB Mitglied und wie sein Ideal ebenfalls Multimillionär.

7. Ich habe schon vor zwei Jahren auf dieser website für Räume plädiert, wo wir schreien können als spirituell – philosophische Initiative, damals dachte ich daran wegen des Abschlachtens der Menschen in Syrien, ich dachte an die auf dem Mittelmeer krepierenden Afrikaner, an die Menschen in den Lagern in Libyen, in Nordkorea …

8. Schreien ist auch eine Therapie-Form bei Leiden im engeren, persönlichen Erleben. Auch hier ist Schreien eine Tat der Befreiung von Unerträglichem.

9. Ich empfehle, in den Städten, möglichst in Parkanlagen, „Häuser des Schreiens“ einzurichten. Vielleicht kleine Rundbauten, kahl die Wände, eher dunkel der Raum. Ohne Schmuck. Eher ein Raum „ohne alles“, ein Raum des Nichts. Und da können die Menschen, die das Unerträgliche der Politik, den Hass in der Welt, nicht länger runterschlucken können, nicht länger ersaufen können, wenigstens laut schreien. Das kann ohne Worte geschehen, vielleicht schreit man nur „Hilfe“ oder „Es ist genug“ oder „Ihr verdammten Mörder“ oder nur das flehentliche Gebet „Hört auf“. Der Raum sollte so groß sein, dass mehrere Menschen, selbstverständlich in unterschiedlichen Sprachen, dort schreien können.

10. Vielleicht treffen sich diese schreienden verzweifelten Rebellen danach, seelisch ein wenig erleichtert, in einem separaten Raum innerhalb des „Hauses des Schreiens“ wieder und verabreden sich zum Gespräch. Vielleicht auch zu einer Aktion zugunsten der besonders Leidenden. Zugunsten der Menschenrechte.

11. Natürlich wäre es, wie gesagt, viel einfacher, die vielen leerstehenden Kirchen als Orte des Schreibens einzurichten. Orte für Urnen-Bestattungen, Kolumbarien, sind manche Kirche, sogar in Deutschland, schon geworden. Warum nicht auch diese leer stehenden Kirche in etwas Lebendiges verwandeln, in Orte des Schreiens.

12. Vielleicht sollte ein Bild, als  große Kopie, in einem sonst bildlosen Schrei – Raum hängen: Ein Gemälde, das der britische Maler Francis Bacon geschaffen hat und das in verschiedenen Formen Papst Innozenz den Zehnten (gestorben 1655) zeigt, nach einem Vorbild von Velasquez gemalt. Dieser Papst sitzt wie gefesselt auf einem Stuhl und brüllt. So wie, Papst Franziskus in seinen so prophetischen Weihnachtsansprachen vor den Kardinälen der Kurie auch am liebsten brüllen würde. … Natürlich war Innozenz der X. wie so viele Kirchenfürsten und Vatikan-Prälaten damals völlig haltlos. Also jähzornig brüllend. Aber dieses großartige Gemälde eines brüllenden Papstes geht tiefer: Weil selbst der so genannte Stellvertreter Christi und die Kirchen insgesamt absolut hilflos sind, bestenfalls noch schreien und brüllen können: Die Kleriker als Kleriker können den Mörderbanden weltweit keinen Einhalt gebieten. Der Glaube ist in der traditionellen Form absolut schwach. Ein Nichts? Wahrscheinlich: Den Päpsten und den Kirchen gelingt es nicht, mit Ethos und Glauben die Mörderbanden zu besiegen. Und dann reden sie von Erlösung. Da können die einzelnen nur noch schreien … und danach, seelisch erleichtert, auf die eigene Art Gutes tun. Vielleicht werden nur in kleinen Schritten Revolutionen vorbereitet.

13. Die Gemeinde der Schreienden ist ökumenisch und nicht-konfessionell. Sie ist über die etbalierten verschlossenen Kirchen hinausgewachsen, die bekanntlich wirklich oft “zum Schreien” sind … nicht nur wegen der Verbrechen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker.

Copyright: CHRISTIAN MODEHN, Religionsphilosophischer Salon Berlin.
…….
Clara F. Janning schreibt uns:
Der Text „Räume wo wir schreien können“ ist mir aus dem Herzen gesprochen! Und dann wäre da ja, zur gedanklich-therapeutischen Unterfütterung, auch noch Arthur Janov mit seiner “Urschrei”-Therapie zu lesen – wobei ich meine, dass ein solches Zu-seinem-Schmerz-Gehen der professionellen, zumindest aber emotional intelligenten bzw. kompetenten Begleitung bedarf.
Goethes Tasso begnügt sich übrigens mit Wort und Träne, dank der von “einem Gott” gegebenen Gabe, “zu  s a g e n, was [er] leide[t.
Das sei mit Dank für Ihre inspirierenden Gedanken (das utopische Denkmodell) hier zur Sache noch zitiert, mit besten Grüßen an den und in den Philosophischen Salon von Clara F. Janning
Ja, du erinnerst mich zur rechten Zeit! –
Hilft denn kein Beispiel der Geschichte mehr?
Stellt sich kein edler Mann mir vor die Augen,
Der mehr gelitten als ich jemals litt,
Damit ich mich mit ihm vergleichend fasse?
Nein, alles ist dahin! – Nur eines bleibt:
Die Träne hat uns die Natur verliehen,
Den Schrei des Schmerzens, wenn der Mensch [im Original: Mann] zuletzt
Es nicht mehr trägt – Und mir noch über alles –
Sie ließ im Schmerz mir Melodie und Rede,
Die tiefste Fülle meiner Not zu klagen:
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott zu sagen, wie ich leide.

Aktualisiert am 10. Februar 2026 durch CM

Wenn die Philosophie schläft. Kritische Analysen des Philosophen Wolfram Eilenberger zum Zustand der Philosophie

Ein Hinweis von Christian Modehn am 18.3.2026

1.
Der Philosoph und Buchautor Wolfram Eilenberger hat in der „ZEIT“ vom 12.3.2026, Seite 49, eine provozierende Analyse zum Zustand der Philosophie in Deutschland verfasst. Der sehr ausführliche Titel seines Beitrags: „Ist da jemand noch wach? Das Jahrhundert bebt, doch die zeitgenössische Philosophie scheint zu schlafen. Eine Ermunterung zur Geistesgegenwart“. Die Ausführungen Eilenbergers sind provozierend gemeint. Er ist wohl überzeugt, nur auf diese Weise, die PhilosophInnen (denn nur durch PhilosophInnen gibt es „die“ Philosophien) aus dem Schlaf aufwecken zu können.

Eilenberger bedauert, dass PhilosophInnen heute zu wenig, zu wenig präzise, zu wenig nachvollziehbar für viele von den drängenden Fragen (Friede, Ökologie, Gerechtigkeit…) sprechen.

2.
Zum Mittelpunkt der Kritik an der mangelnden kritischen Präsenz der Philosophie in der heutigen Welt nennen wir nur einige zentrale Stichworte Eilenbergers:
Die analytische Philosophie hat die klassischen Philosophien, also die „Liebe zur Weisheit“, wie der Name sagt, verdrängt; die „analytische Philosophie“ ist für Eilenberger „eine reine – nicht zuletzt gegenwartsgereinigte – Begriffswissenschaft. Man glänzt durch öffentliche Abwesenheit.“
Diese analytische Philosophie dominiert, sie ist hoch spezialisiert, extrem ausdifferenziert, es gibt bei ihr „kein geteiltes Fundament, nirgendwo“, so Eilenberger.

3.
Er kritisiert auch die „scheußliche Art“ der PhilosophInnen in ihrer traditionell arroganten Art zu schreiben, in dieser wohl sehr oft zutreffenden Erkenntnis schließt sich Eilenberger dem Urteil der us-amerikanischen Philosophin Christine Korsgaard an. (Christine Korsgaard (geb. 1952) ist eine wichtige us-amerikanische Philosophin speziell zu Themen der Moral und der vernünftigen Lebensgestaltung.

4.
Eilenberger kritisiert die Publikationsfluten zumal der analytischen PhilosophInnen; viele dieser hoch spezialisierten Publikationen werden „auch fünf Jahre nach ihrer Veröffentlichung kein einziges Mal zitiert.“ Dass die analytische Philosophie ein Versuch ist, an den Universitäten sozusagen wissenschaftlich mit den anderen Wissenschaften „mithalten“ zu können, erwähnt Eilenberger nicht.
Es ist bekanntlich eine lange Geschichte, dass die Philosophen sich mit ihrem Auftrag, die Liebe zur Weisheit zu verbreiten, nur abfinden konnten, indem sie ins Mathematische, Begriffliche, Logische allein abdrifteten. Über Husserl wäre in dem Zusammenhang zu sprechen.
Das Eigene, Einmalige der Philosophie als Liebe zur Weisheit könnte und sollte auch zu Kooperationen mit Literaturwissenschaften, Kunstwissenschaften, Theologien, Religionswissenschaften, Sozialwissenschaften, Biologie, Medizin führen. Philosophie wird es wohl nur in Kooperation mit diesen Wissensformen geben. Jürgen Habermas, der jetzt hoch gerühmte „große Philosoph“, war ja auch Sozialwissenschaftler und politisch, politologisch hoch gebildet, das machte die exzellente Qualität seines Denkens aus. Darauf weist Eilenberger nicht hin, aber gerade das wäre wichtig: Philosophie sollte bei diesen Kooperation niemals auf sich selbst verzichten, sie sollte sozusagen „tonangebend“ auch normativ bleiben!

5.
Der zentrale, uns sehr wichtig und treffend erscheinende Vorschlag Wolfram Eilenbergers: Die Philosophie sollte wieder ganz deutlich und stark „Liebe zur Weisheit“ werden. Eilenberger kann bei diesem seinen Plädoyer nicht auf ein Wort-Ungetüm verzichten und spricht also von, so wörtlich, „mündigkeitserhöhender Daseinstransformation“.
Nebenbei: Da wird also die aufklärerische Mündigkeit mit dem an Heidegger erinnernden „Dasein“ verbunden. Also arbeiten wir bitte an „mündigkeitserhöhender Daseinstransformation“. Das heißt: Denken wir, treffender gesagt, nach, was Philosophien jenseits der analytischen Begriffswissenschaft sein könnten und sein sollten. Vor allem doch wohl auch Orientierung im Leben, „Daseinstransformation“ ist da noch weitreichender, das Wort erinnert an Rilkes „Du musst dein Leben ändern“… Und das kann nur eine Philosophie, die sich als Liebe zur Weisheit versteht. Pure Logik oder Begriffsanalysen sind da nicht kompetent.

6.
Eilenberger deutet am Schluß seines provozierenden, aus dem „Schlaf der Vernunft“ (aus dem bekanntlich Ungeheuer hervorgehen, siehe Goya) heraus-weisenden Beitrags auf das in unserer Sicht Wichtige hin:
Es ist die „wache Sorge um das eigenen Selbst sowie das der Mitwesen“. Dieser Satz klingt ein bißchen nach dem Populärphilosophen Wilhelm Schmid. Eilenberger plädiert im Sinne der Philosophie für die meditative Lektüre der alten philosophischen „Gründungstexte“, auf die niemals verzichtet werden darf. Und auch das ist wichtig: Die knappe Andeutung wenigstens, dass es auf eine Öffnung „für außerweltliche Weisheitstraditionen ankomme.“ In dieser Rezeption asiatischer, afrikanischer und lateinamerikanischer Philosophien erhielte die neue Aufklärung – verbunden mit Weisheit – einen wichtigen Durchbruch. Aber wo wird in Deutschland asiatische oder afrikanische Philosophie gelehrt und entsprechend unters Volk gebracht. Philosophie in Deutschland ist doch sehr deutsch und manchmal europäisch bzw. us-amerikanisch….

7.
Die eigene philosophische Meinung für eine wache Philosophen heute teilt uns leider Eilenberger nicht ausführlich mit, also wie Philosophie sich verhält zu dieser gegenwärtigen Welt der Kriege, der Gewaltherrscher, der Diktatoren, des total unbeherrschten, unklugen Präsidenten der USA, der reaktionären permanent ans Töten der Feinde denkenden Politiker in Israel, der Verirrungen der Religionen in Richtung Fundamentalismus, der Abwehr der rettenden Klimapolitik durch neoliberale Politiker etwa in der CDU, die Zunahme des Faschismus in ganz Europa usw. Erst wenn diese Themen sehr gut nachvollziehbar philosophisch gedacht und entsprechend publiziert werden, kann die Philosophie aus dem Schlafzustand befreit werden.

8.
Die Frage ist natürlich, ob es nicht PhilosophInnen heute – auch in Deutschland – gibt, die diese in Nr. 7 genannten Themen nachvollziehbar bearbeiten und publizieren. Ich habe den Eindruck, diese gibt es. Eilenberger nennt leider keine Beispiele. Ich nenne nur: Lea Ypi oder Rahel Jaeggi oder Bettina Stangneth oder Eva von Redecker….

9.
Absolut wichtig für uns im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon ist:
Von Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie oder Metaphysik spricht Eilenberger nicht, dies sind aber die klassischen Themen de Philosophien, die sich als Liebe zur Weisheit verstehen. Angesichts der viel besprochenen Säkularisierung in Europa und dem Niedergang der Kirchen hier ist doch Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie (auch im Plural natürlich) dringend, auch dringend als Orientierung not – wendig. Leider gibt es nicht in allen Städten religionsphilosophische Salons, als kleine Schulen der Liebe zur Weisheit. Das Interesse der etablierten Universitätsphilosophie an einem philosophischen Salon ist überhaupt nicht dokumentiert, also wohl nicht vorhanden. PhilosophInnen bleiben in ihren Seminarbibliotheken hocken… Die schrumpfenden Kirchen könnten erkennen, dass sie noch hilfreich sein können, wenn sie ihrerseits freie Orte des philosophischen und theologischen Austauschs schaffen und wieder mehr offene, undogmatische geistige Präsenz zeigen, gerade in Gegenden, in denen sich der kritische Geist verabschiedet, wie in vielen Bundesländern im Osten Deutschlands. Aber so viel “undogmatische Selbstlosigkeit” (d.h. viele verstaubte Dogmen mal zurückstellen) traue ich der katholischen Kirche nicht zu. Sie will halt auch in Deutschland dogmatisch erstarrt, frauenfeindlich, gegen die Ehe für alle usw. versterben, siehe das Verschwinden der katholischen Kirche in den Niederlanden, in Belgien oder in weiten Regionen Frankreichs… Abschied von den Kirchen wird dann das philosophische Thema einer philosophischen Zeitanalyse.

10.
Warum spricht Eilenberger, warum sprechen Uni – Philosophen, nicht von neuen philosophischen Studiengängen: Etwa den Beruf der philosophischen Praktiker, die in freien philosophischen Salons, in der Erwachsenenbildung, in den Schulen, in Galerien, in den Medien usw. diese Liebe zur Weisheit lehren und verbreiten?

11.
Der Beitrag von Wolfram Eilenberger in der „ZEIT“ ist nach unserem Eindruck wirklich inspirierend und weiter führend. Wirklich ins Weite führend wäre eine sehr breite Diskussion über Hegels Verständnis von Philosophie als Erkenntnis, die ihre Zeit in Begriffen aussagt“. Also ein bißchen Geschichtsphilosophie wäre doch wohl auch hilfreich. Anläßlich des 150. Geburtstages von Martin Heidegger könnte man die ins Weite fahrende Frage erörtern: Was gewinnt Philosophie, wenn sie sich intensiv mit Dichtung, Poesie und Kunst befasst?

Copyright: Christian Modehn, religionsphilosophischer-salon.de

Warum besucht Papst Leo XIV. am 28. März 2026 ausgerechnet Monaco, das Nest der Superreichen?

Auf diese 29. Frage unserer Reihe “Unerhörte Frage” sind mehrere richtige Antworten möglich, eine Antwort ist wahrscheinlich die besonders treffende.

Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…

1 …weil er sich mit Fürst Albert II. nach dessen Privataudienz im „Apostolischen Palast“ so blendend und herzlich versteht? (Der Fürst verfügt nach Schätzungen über ein Vermögen von 1 Milliarde US -Dollar).

2 …weil der Papst gern drei Stunden im Helikopter sitzt, der ihn vom “Heiligen Stuhl” nach Monaco transportiert? Also: ein päpstlicher Beitrag für einen hohen CO2 Ausstoß ? …

3 …weil er hofft, mit einer der vielen Superluxus-Yachten in Monaco im Mittelmeer etwas herumkurven zu können und dabei als Dank allen Superluxus-Yachten seinen apostolischen Segen erteilt?

4 … weil er in Monaco ein Augustinerkloster gründen will oder nach Spuren seines höchst geliebten „Vater“ Augustinus dort sucht? Der erste Teil dieser Frage ist schon jetzt ausgeschlossen, weil der Augustinerorden in Europa fast nur noch alte Herren als Mitglieder zählt und an Kloster – Neugründungen gar nicht zu denken ist.

Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…

5 … weil der Papst sich freundschaftliche Beratungen und Hilfen finanzieller Art vom Fürsten und den Seinen verspricht – für den nicht gerade finanziell glänzend dastehenden “Heiligen Stuhl”?

6… weil er diesen Winzling von Staat Monaco liebt, denn dort ist noch wie einst die uralte katholische, päpstliche Moral staatliches Gesetz: Gegen Abtreibung, gegen gesetzlich mögliche Sterbehilfe…Dagegen muss doch sonst, weltweit, der Papst nur – erfolglos – kämpfen. Beim Fürsten von Monaco gibt es jedenfalls noch den Katholizismus als Staatsreligion! Darüber kann ein Papst doch nur absolut glücklch sein…

7… weil er zeigen will: Papst Franziskus unternahm seine erste Reise innerhalb Italiens nach Lampusa zu den Flüchtlingen.. Aber er als Leo und „Sohn des heiligen Augustinus“ macht genau das Gegenteil: Er besucht die Superreichen..

Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…

8… weil er die an dieser Reise Interessierten auffordert, die Papstpredigt in der Kathedrale von Monaco schon jetzt zu schreiben! Das ist doch bei allen üblichen Floskeln der Predigten nicht schwer. Die päpstliche Predigt sollte also diese Worte enthalten: “Friede ist zentral”; “wir danken dem Fürsten und seiner Familie Grimaldi für ihre Treue zum katholischen Glauben”; “auch Superreiche gehen selbstverständlich ins Himmelreich ein, bei dem Thema irrte Jesus von Nazareth ein bißchen”;” nicht nur Monaco, alle Staaten sollen den katholischen Moralvorstellungen folgen”; “Eheschließungen für Homosexuelle sind in Monaco ausgeschlossen, Bravo sage ich als Stellvertreter Christi”; “Frankreich als Nachbar Monacos ist mit seinem „Laizismus“ kein gutes Vorbild für Katholiken”; “die Kirche hat nicht nur eine „Option für die Armen“, sondern muss immer auch ihre Liebe zu den Reichen und Superreichen zeigen, nur das `zahlt` sich wirklich für den Vatikan `aus`”; ….Dies sind einige zu erwartende Floskeln der Papstansprache in Monaco…(Wir wären überrascht, wenn Leo XIV. den Mut hätte, genau das Gegenteil zu verkünden).

9… weil unter den Superreichen in Monaco viele Depressionen und Sinnkrisen bestehen; der Bischof von Monaco nannte dies jetzt bereits die furchtbare „Armut“ der Bewohner Monacos; die seelische Krankheit dieser „Armen“ könne durch eine päpstliche Botschaft wenn nicht geheilt, so doch gemindert werden. Also: Bitte mehr Seelsorge für die Superreichen, die haben dies bitter nötig. Zum Teilen ihres Reichtums wird der Papst sie selbstverständlich nicht explizit oder gar prophetisch auffordern, das wäre doch ein bißchen undiplomatisch und zu unfreundlich gegenüber dem Milliardär – Fürsten…

Papst Leo XIV. besucht also am 28. März das Fürstentum Monaco…

10… weil er (mit einem Pass des lateinamerikanischen Staates Peru ausgestattet) die Superreichen von Monaco auffordern will, sich für die Theologie der vom Kapitalismus arm Gemachten, also die „Theologie der Befreiung“ in Lateinamerika einzusetzen. Denn in Peru ist bekanntlich die Theologie der Befreiung entstanden (der Peruaner Padre Gustavo Gutiérrez als Initiator).

11… weil der Papst Einladungen der gegen die Mafia kämpfenden Priester und Staatsanwälte in Italien bisher nicht beachtet hat, ebenso die Einladung in Neapels Elendsviertel, deswegen fliegt er im Helikopter ins schöne Monaco… Dies kann doch eine (spirituell ???) reiche Vorbereitung sein für den dann folgenden Palmsonntag, am 29. März.

12…weil er weiß: Kein anderer Papst hat jemals eine solche, dermaßen überflüssig erscheinende Reise unternommen? (Fehlt bloß noch, dass der Papst diese seine Monaco – Exkursion als „apostolische Pilgerfahrt“ deklariert und alsbald das katholisch – reaktionäre Liechtenstein besucht.)

13… weil er weiß, dass einige Journalisten den päpstlichen Hofstaat und seine Diplomatie immer noch beobachten bzw. aus beruflichen Gründen selbst die absurdesten Papst-Reisen beobachten müssen. Dabei hätten die Journalisten und Theologen wirklich viel Dringenderes zu tun….

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

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Bittgebete verstehen. Sie sind meist unsinnig, manchmal noch hilfreich!

Ein Hinweis von Christian Modehn am 1. März 2026

Vorwort:
Beten ist eine persönliche Poesie inmitten des Lebens und Leidens. Und Bitt – Gebete können hilfreich sein, wenn ich mich meiner persönlichen Poesie vergewissere, einer Poesie, die in aller Vielfalt den tragenden Sinns des Lebens und Sterbens in Worte fasst. Dieser bergende Sinn ist für christlich orientierte Menschen eine göttliche Wirklichkeit: „Die gute, wunderbare, ewige Wirklichkeit, in der wir geborgen sind“, um an Dietrich Bonhoeffers Satz – leicht variierend- zu erinnern. Aber: Bittgebete sind niemals Wundermittel.

1.
Es wird jetzt, wie immer in Krisen-Kriegszeiten, offenbar viel gebetet, viele Aufforderungen zum Bittgebet werden, von den religiösen „Führern“, dem Klerus, als hilfreich empfohlen. Papst Leo redet ständig von Bittgebeten. Er meint wohl, nach uralter „klassischer“ Spiritualität, Gott als „Person“ im Himmel förmlich „bestürmen“ zu können mit unseren auch politischen Wünschen. Wie Gott im Himmel dann die eingehenden unterschiedlichen Wünsche koordiniert, d.h.erfüllt, wissen die Fromme mit ihrer ganz unterschiedlichen Wunschliste natürlich nicht. Und niemand kann das wissen. Das heißt: Die frommen Bittenden glauben eigentlich selbst nicht daran, dass ihre Wünsche erfüllt werden. Sie gehen dann mit den immer wiederkehrenden Enttäuschungen relativ gelassen um: Es ist wie beim Lotto-Spiel, niemand ist erschüttert, wenn er auch diesmal nicht die richtigen sechs Zahlen getippt hat. „Dann halt beim nächsten Mal.“ Und es wird weiter um Frieden gebetet. Beten und Bitten kann gedankenlos werden…

2.
Das Bild eines allmächtigen und allwissenden Gottes im Himmel, der je nach Laune ins Weltgeschehen eingreift und plötzlich aus einem Kriegsverbrecher einen Pazifisten macht, dieses Gottes – Bild ist verstaubt und vergangen. Es macht aus dem Unendlichen und Ewigen förmlich einen Hampelmann, der sich abhängig macht von den jeweiligen Launen der Frommen: Fromme Russen beten für Putins Sieg, fromme Europäer beten zurecht für die Menschen in der Ukraine und die Niederlage Putins. Mein Gott, möchte man sagen, was soll Gott da alles erhören und richtig stellen, was Menschen in ihrer Freiheit zerstören.

3.
Bittgebete sind oft auch Ausdruck existentieller Hilflosigkeit. Aber diese Hilflosigkeit inmitten von Kriegen ist von Menschen verursacht, nicht von Gott im Himmel. Eine schöpferische göttliche Wirklichkeit hat die Menschen als freie Menschen erschaffen, das heißt mit Vernunft ausgestattet. Nur so können Menschen ihr Leben gestalten, sich aber auch aufgrund der Freiheit unsinnig und kriegerisch zerstörend austoben. Kriege sind Ausdruck von Freiheit. Wenn die Menschen, die Bürger aufpassen würden, könnten sie Kriegsherren wie Putin, Trump usw. doch wohl verhindern oder früh genug absetzen…
Das ist der Preis der Freiheit… Aber sind Menschen als Menschen denkbar, wenn sie unfrei wären?

4.
Und nun beten auch die Führer der US-Evangelikalen erwartungsgemäß wieder mal für ihren Führer und mit ihrem Führer Donald Trump, sie beteten vor laufender Kamera am 5. März 2026 für das Wohlbefinden der US Truppen und den Sieg der US Streitkräfte im Iran. Für das Leiden der „einfachen Menschen“ im Iran, im Libanon, in Israel usw. beteten sie explizit wohl nicht, diese Menschen sind als Opfer der Kriege doch nur „Kollateralschäden“, wie es in der Sprachen der Krieger heißt. LINK

5.
Beten für den Frieden kann nur bedeuten: Nachdenken, wie Frieden wieder möglich wird. Ausbildung zum Frieden und Lernen des gewaltfreien Widerstandes in den Gemeinden weltweit muss man als zentrale christliche Aufgabe verstehen. Diese ständige Arbeit am Frieden sollte auch ein Papst lehren und vorleben. Der Papst betet und bittet … und formuliert permanent sympathische diplomatische Friedens – Forderungen, oft verbrauchte Floskeln, als Chef des Staates Vatikan, genannt Heiliger Stuhl. Diesen „Heiligen Stuhl“ respektieren die meisten Diplomaten mit freundlichem Lächeln, aber dieser „Stuhl“ steht den Mächtigen immer nur im Wege, wenn sie ihre kriegerischen Untaten begehen. Kurz gesagt: Der Papst kann sich politisch nicht mehr durchsetzen, das Mittelalter ist vorbei. Ob der Papst als Papst das weiß? Als Papst müßte er sich um Wichtigeres kümmern: Christen zu Aktivisten des Friedens und der gewaltfreien Aktion ausbilden…
Die internationale katholische Friedensbewegung „PAX Christi“ hat in der Kirche einen marginalen Status, „Pax Christi“ gilt als eine Versammlung von Utopisten… und Spinnern.

6.
Wenn wir Bittgebete sprechen oder Bittgebete anderer uns berühren dann sollten wir aufmerken: Was kann ich, was können wir tun, um aus dem konkreten Elend herauszufinden? Bittgebete sind Aufrufe zur Reflexion, zur Selbstreflexion wie zum Nachdenken der vielen, die einen Hilferuf als Bitte, als Bittgebet, hören.

7.
Manches Leid und viele Leiden lassen sich nicht – zumal bei Krankheiten oder im Erleben von Naturkatastrophen – überwinden oder aufheben. In solchen Situationen haben Bittgebete vielleicht eine heilende Wirkung und Bedeutung: Sie erinnern die Bittenden, die Christen zumal, an die eine, alles entscheidende Basis (!) ihres Glaubens: Gott ist der tragende, der gründende Sinn im Leben, trotz allem. Gott oder die schöpferische Kraft ist „die gute Macht, in der wir Menschen uns geborgen glauben“, wie es Dietrich Bonhoeffer ähnlich formulierte. Das heißt: Der Christ weiß, dass er immer von Gott behütet ist, da braucht er nicht dieses oder jenes von Gott zu erflehen. Der Christ soll handeln – zugunsten des Friedens, der universellen Gerechtigkeit. Und nicht so viel Beten. Seine poetischen Talente kann der Christ auch anderweitig ausprobieren…

8.
Wann könnte trotzdem ein Bittgebet als meine Poesie sinnvoll und hilfreich sein? Wenn wir die Gewissheit haben: Alles droht unterzugehen, Humanität droht zerstört zu werden und mein Leben und unser Leben ist am Kipppunkt, also christlich gesprochen am Übergang in eine andere Wirklichkeit ohne leibliches Dasein. Also: Unter solchen Bedingungen können Bittgebete als Poesie hilfreich sein. Sie vergewissern den einzelnen seiner Verbundenheit mit dem Ewigen, das Neue Testament oder auch Meister Eckart und Hegel würden sagen: Sie geben dem einzelnen die Gewissheit, mit dem göttlichen Geist, dem ewigen Geist des Ewigen, verbunden zu bleiben. Das Bittgebet als persönliche Poesie hat also auch in einem neuen, vernünftigen theologischen und religionsphilosophischen Verständnis eine begrenzte, hilfreiche Bedeutung. Bittgebet, so verstanden, führt in eine Form von bleibender Geborgenheit, als Hoffnung über den Tod hinaus. Aber Hoffnung bedeutet immer: Handeln im Sinne der universellen Gerechtigkeit.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Evangelikale beten mit Trump im Oval Office am 6.März 2026 für den Sieg der USA.

Beispiel eines nationalistisch-kriegerisch verdorbenen Glauben. Oder: Der böse Gott der Evangelikalen.

Ein Hinweis von Christian Modehn am 7.3.2026

1.
Es ist eine äußerst verstörende Szene evangelikalen Glaubens, man sollte deutlich und klar sagen: evangelikal-nationalistischen Schwachsinns:

2.
Etwa 20 der bekanntlich Trump – ergebenen US – Evangelikalen schart sich am 6. März 2026 um ihren Präsidenten im Oval Office. Ein entsprechendes authentisches Video wird verbreitet. Der Führer Trump sitzt gesammelt am Schreibtisch, evangelikale Pastoren (nur zwei Frauen sind dabei) umringen ihren Meister, legen segnend ihre Hände auf ihn. Sie erflehen den Segen Gottes für die amerikanischen Truppen und beten um weitere kriegerische Kraft ihres Meisters Trump.

3.
Unter den Betenden sind führende Evangelikale: Tom Mullins, Robert Jeffers, der Historiker David Barton…organisiert hat das Gebetstreffen die Fernsehpredigerin Paula White Cain vom „Büro für Glauben“ in der Trump Administration. Sie beten für einen Trump, mit einem Trump, dem Heuchler und notorischen Lügner, der bekanntlich gar nichts von christlichen Grundsätzen hält, schon gar nichts von einer Ethik, die einem Christen etwas nahesteht. Und der reaktionäre Präsident Reagan schaut von einem großen Gemälde im vergoldeten Oval – Office auf diese “heilige Runde” der Nationalisten und Kriegstreiber…

4.
Pastor Tom Mullins leitet das Gebetstreffen, er erbittet für Trump und die amerikanischen Truppen Gottes Hilfe: „Ich bete um deine Gnade und deinen Schutz für ihn. Ich bete um deine Gnade und deinen Schutz für unsere Truppen und alle Männer und Frauen, die in unseren Streitkräften dienen. Und Vater, wir bitten dich, unserem Präsidenten weiterhin die Kraft zu geben, die er braucht, um unsere Nation zu führen, während wir zu einer einzigen Nation unter Gott zurückkehren.“

5.
Dieses Gebet ist – wenn man noch die richtigen theologischen Normen ernst nimmt – eine Gotteslästerung. Das Gebet ist nichts als Ausdruck einer nationalistischen Ideologie! Gott (gemeint ist immer der Gott des Christentums, des Neuen Testaments) soll die amerikanischen Truppen schützen. Die Truppen anderer Völker, vor allem die Menschen im Kriegsgeschehen („Kollateralschäden“ von Kriegsherren genannt), werden nicht erwähnt. Trump wird als religiöser Führer aufgewertet, unter seinen Herrschaft werden die USA „zu einer einzigen Nation unter Gott“. Gott soll dann herrschen in den USA, aber das heißt bekanntlich: Ausländer raus, Abtreibung absolut verbieten, sexuelle Vielfalt auslöschen, die Demokratie abschaffen, die Pressefreiheit zerstören usw.: Das aber bedeutet: Diese Evangelikalen beten letztlich also darum, dass nun alsbald in den USA ein Bürgerkrieg beginnt im Kampf um die Durchsetzung der genannten evangelikalen Ideale.
Nebenbei: Eine „Nation unter Gott“ – das ist bekanntlich auch das Prinzip der islamischen Fundamentalisten, etwa im Iran. Da befinden sich die betenden Amerikaner in „feiner“ Gesellschaft.

6.
Es fällt auf, dass die sonst absolut der Regierung Israels ergebenen Evangelikalen nicht auch für Israel beten.Bekanntlich lieben viele Evangelikale Israel und die Juden nur deswegen, weil ihr Christus nur wiederkehren kann auf Erden: Wenn die Juden im ganzen verheißenen Land (mit Gaza, Westjordanland) leben und ganz Jerusalem jüdisch ist. Die angebliche Liebe der Evangelikalen zu Israel ist also nur eine evangelikale Ideologie.

7.
Der Religionsphilosophische Salon Berlin hat auf den russisch – orthodoxen Kriegstreiber Patriarch Kyrill I. von Moskau immer wieder ausführlich hingewiesen. Nun gibt es eine weitere kriegstreibende Kirche, die (meisten) Evangelikalen in den USA. Die Evangeklikalen der USA befinden sich nun in “feiner” Gesellschaft mit Kriegstreiber Kyrill, der auf seine Art eben auch nationalistisch betet.

Man ist gespannt, wie lange es es dauert, bis sich die Evangelikalen etwa in Deutschland und Europa von ihren Evangelikalen „Brüdern und Schwestern“ distanzieren. Oder denken sie so wie diese Leute in den USA?

8.
Was aber passiert, wenn der liebe Gott der Evangelikalen ihre Gebete NICHT erhört, sondern der liebe Gott die Gebete der Schiiten erhört und keinen Regime Change im Iran durchsetzt? Was aber wenn der liebe Gott der Sunniten deren Gebete erhört und die Ölpreise wieder sinken. Oder gar, was passiert, wenn der Gott der Juden deren Gebete erhört und die Verwüstung des Libanons durch Israel nun total gelingt usw.?

9.
Dieser kranke, wahnhafte Glaube öffnet jedenfalls alle Schleusen nicht nur für den kriegerischen Nationalismus, vor allem auch der offenbar unheilbaren religiösen Dummheit, die sich in diesen Bittgebeten äußert. Welchen sehr begrenzten, aber vernünftig nachvollziehbaren Sinn „Bittgebete“ noch haben können, haben wir an anderer Stelle gezeigt. LINK.

10.
Diese TRUMP – Ergebenen Evangelikalen in den USA sind eine Schande für das Christentum. Man erinnere sich an die „Deutschen Christen“ im Nazi – Regime, an die sehr faschistischen Katholiken (Priester, Bischöfe) im Franco-Regime Spaniens, an die Mussolini begeisterten Katholiken Italiens und so weiter.

Zum Video dieses „Gebets“ – Treffens: LINK

Copyright: Religionsphilosophischer Salon Berlin

Mitschuldig am Krieg gegen die Ukraine: Die Russisch-orthodoxe Kirche

Ein Hinweis von Christian Modehn am 24.2.2026

1.
Wer ist schuld am Krieg des russischen All-Herrschers Putin gegen die Ukraine? Da sind viele Argumente zu nennen, auch die bewussten oder unbewussten politischen Fehler westlicher (auch deutscher) Politikerinnen, sie haben u.a. aus ökonomischen Interessen Putin unterstützt und Geschäfte gemacht.

2.
Eine Organisation, die ohne Zweifel und sehr deutlich mitschuldig ist an den Verbrechen des Krieges Putins gegen die Ukraine ist die Russisch-orthodoxe Kirche mit ihrem Patriarchen Kyrill I. von Moskau an der Spitze. Das wurde vielfach nachgewiesen, auch im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin, auch von zahlreichen Religionswissenschaftlern und Politologen. Es ist der vor allem der oberste Führer dieser Kirche, der durch seine radikale Kriegs-Hetze für Putin die Glaubwüridgkeit dieser sich christlich nennenden Kirche beschädigt.

3.
Die Russisch-orthodoxe Kirche als mitschuldig am Krieg gegen die Ukraine zu nennen, ist unsere Pflicht, gerade am 22.2.2026, vier Jahre nach dem Kriegsbeginn Putins gegen die ganze Ukraine.

4.
Das zu betonen ist uns wichtig. Denn deutlich ist:
Diese Russisch – orthodoxe Kirche könnte grundsätzlich als einzige Groß-Organisation im Reich Putins ein starke Opposition sein und für das Ende dieses Angriffskriegs eintreten. Das macht sie aber nicht, von einzelnen Priestern dieser Kirche abgesehen, die sich kritisch äußern: Dann werden sie von ihrem Kirchen-Chef Kyrill bestraft oder müssen ins Ausland flüchten.

5.
Warum ist die Russisch-orthodoxe Kirche keine Opposition?
Diese Kirche ist zuerst russisch, das heißt gebunden an die Werte und Unwerte der russischen Nation und Kultur. Diese Kirche hat als obersten Wert also die Bindung an die Nation, und diese Bindung an die russische Nation wird seit Jahrhunderten von den russischen Herrschern definiert und durchgesetzt, von den Zaren, den Verbrechern des Stalinismus, von dem All-Herrscher und Kriegsherrn Vladimir Putin. Diese Kirche ist also eine Art kirchliche Folklore für die russische Nation. Ihre Liturgien werden von Popen (immer Männer natürlich) in der für die Allgemeinheit unverständlichen Sprache Kirchen-Slawisch zelebriert. Was man so Predigten nennen kennen kann: Die werden auf Russisch gehalten, haben aber nie einen kritischen Bezug zur politischen-sozialen Situation der Russen. Diese Kirche hat die Gläubigen nie gebildet, dass die Menschenrechte Teil des Glaubensbekenntnisses sind. Dass Demokratie die einzige politische Option der Christen ist…

6.
Diese Russische Kirche nennt sich ganz offiziell und ungeniert „orthodox“, das heißt rechtgläubig: Dabei könnte man ja denken bei dieser anspruchsvollen Selbstbezeichnung: Sie hält sich an die humanen, friedlichen Weisungen Jesu Christi hinsichtlich seines universellen Liebesgebotes. Aber der Titel „orthodox“ ist ein schöner Schein, wenn etwas Diakonie zugunsten der Armen geleistet wird, dann für Russen in Russland Wenn Missionsarbeit in Afrika gestartet wird, dann, um Putins Regime ideologisch zu stützen und zu „verschönern“. Patriarch Kyrill war einst Mitglied im kommunistischen KGB, wie sein Freund und Gönner Putin.

7.
Wir erleben in der Bindung der Russisch – orthodoxen Kirche an den Kriegsherrn Putin den totalen Niedergang jeglicher christlicher Werte. Diese Kirche ist also unorthodox, sie ist nicht christlich, wenn man an die Weisungen Jesu Christi denkt, diese Kirche ist eine hübsche vergoldete Fassade, eine staatlich gestützte nationalistische Propaganda-Maschine.
Dieses Abrutschen einer christlichen Kirche ins Nationalistische ist den West-Europäern bekannt, man denke an die „Deutschen Christen“ unter Hitler, an die total dem Faschisten Franco ergebene katholische Kirche Spaniens, an die Bindung französischer Katholiken – auch Bischöfe- an das Pétain – Regime usw. Wer viel weiter historisch ausholen will, denke an die Verquickung europäischer Kirchen mit den Kolonialreichen und dem Sklavenhandel. Mit anderen Worten: Diese sich christlich nennenden Kirchen sind stets in der großen Gefahr, ihr christliches Profil aufzugeben zugunsten des immer auch kriegerischen Nationalismus. Der ist für die Kirchenführer bequem und lukrativ, aber eine Katastrophe für die Menschen, die sich eigentlich noch als Gläubige und als Demokraten verstehen.

8.
Man glaube nur nicht, dass nun in der Russischen Föderation die kleine Minderheit der römischen Katholiken aktiv sich zur Opposition bekennt. LINK. Und man glaube auch nicht, dass die kleine Minderheit der evangelikalen Gruppen in der Russischen – Föderation oppositionelle Ambitionen hätte.

9.
Und man glaube auch nicht, dass der ökumenische Weltrat der Kirchen auch nur im entferntesten daran denkt, der Russisch-orthodoxe Kirche die Mitgliedschaft in diesem eigentlich ja doch wohl angesehenen ökumenischen Weltrat zu entziehen. Der Generalsekretär schwärmt seit Jahren vom Dialog mit dem Kriegstreiber KyrillI. Bewirkt hat er nichts, diese Kirche wurde aus dem Ökumenischen Weltrat nicht rausgeschmissen. Alle großen Organisation bestrafen Russland und seine Kriegstreiber, der Weltrat der Kirchen macht das nicht. Und nur wenige Christen in Europa scheint das stören. Dies ist auch eine Schande, die an diesem 24.2.2026 genannt werden muss.

10.
Wir haben am 8.2.2026 einen Beitrag publiziert mit dem Titel „Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist eine Putin-Sekte“, wir weisen noch einmal darauf hin. LINK

11.

Der Philosoph Hegel hat schon 1822 die orthodoxen Kirchen kritisiert: “Sie bleiben im Traum des Aberglaubens”, siehe unseren Hinweise: LINK 

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-salon.de

Rechtsextrem und katholisch: Neues von den Traditionalisten

Reaktionär-katholische „Piusbrüder“ wollen nicht zur offiziellen katholischen Kirche gehören.
Ein theologisch-politischer Hinweis von Christian Modehn am 22.2.2026

Zur Einführung:
Der römische Katholizismus, die Papstkirche, ist faktisch alles andere als eine uniforme Einheit: Es gibt die wenigen progressiven Reformgruppen, sie sind ohne reformatorischen Einfluß auf die Institution. Und es gibt die vielen konservativen, dann die sehr konservativen und dann die reaktionären, politisch stets sehr rechten, katholischen Gemeinschaften mit vielen tausend Mitgliedern und Anhängern.
Einige Gruppen sind hingegen so reaktionär, dass sie außerhalb der offiziellen Papstkirche agieren, am bedeutendsten und umtriebigsten sind dabei die sogenannten Piusbrüder, auch Traditionalisten oder Integristen genannt. Sie sind eine Gründung des katholischen Erzbischofs Marcel Lefèbvre im Jahr 1970. Diese „Lefèbvre-Katholiken“ sind theologisch auf dem Niveau des 19. Jahrhunderts stehen gebliebenen, politisch sind sie gegen alles, was mit Menschenrechten zu tun hat. Diese in vielfacher Hinsicht reaktionären Katholiken ärgern mal wieder sehr den Papst und seine vatikanischen Behörden. Durch die politische Relevanz dieser Sonder-Kirche ist unser Thema alles andere als ein bloßer Hinweis auf „vatikanische Kircheninterna“…

1.
Die international verbreitete, ca. 150.000 Mitglieder zählende Kirche der katholischen Traditionalisten, auch „Piusbrüder“ genannt und treffend als reaktionär-katholisch bewertet, ärgert seit Beginn 2026 mal wieder sehr heftig die von ihr ungeliebte, wenn nicht verachtete offizielle römisch-katholische Papstkirche. Aber der Streit hat wohl jetzt ein (vorläufiges?) Ende gefunden: Am 18. 2. 2026 verkündete der Leiter der Piusbrüder, Davide Pagliarani, dass er, nach einem Dialog mit dem Vatikan, an dem Entschluss festhält: Es werden nun eigenmächtig Bischöfe für die Piusbrüder -Kirche geweiht, und zwar am 1.7.2026! LINK

Mit anderen Worten: Die reaktionär-Katholischen, die Piusbrüder, wollen ihren eigenen Weg außerhalb der offiziellen katholischen Papstkirche fortsetzen. Theologisch und politisch ist klar: Darüber können sich alle demokratisch gesinnten Menschen nur freuen: Denn es ist nun entschieden: Es wird also nicht noch eine weitere extrem konservative Gemeinschaft die Entwicklungen des offiziellen Papstkatholizismus mitprägen oder gar mitbestimmen können. Sehr konservative und sehr rechte Positionen gibt es ohnehin schon viel zu viele im offiziellen Katholizismus, unter Kardinälen (nur ein Beispiel: Robert Sarah, LINK), in „neuen geistlichen Gemeinschaften“ (nur ein Beispiel „Opus Dei“) oder unter einzelnen, etwa Millionären, nur ein Beispiel etwa in Frankreich Vincent Bolloré: LINK 

2.
Zur Erinnerung: Worum geht es, in aller Kürze, für theologische „Laien“ nachvollziehbar, bei den Auseinandersetzungen der Piusbrüder contra Papstkirche?

3.
Die Traditionalisten, die „Piusbrüder“, gegründet 1970 durch den damals noch offiziell katholischen, aber schon reaktionären Erzbischof Marcel Lefèbvre, können sich – trotz ihrer Ablehnung dieser angeblich modernen “Reform-Päpste” und des 2. Vatikanischen Konzil – noch katholisch nennen. DENN: Sie verfügen über gültig geweihte Bischöfe. Der katholische Bischof Marcel Lefèbvre weihte vier seiner Getreuen 1988 zu Bischöfen, allerdings ohne Zustimmung des Papstes. Aber diese Weihen sind nach offiziellem katholischen Kirchenrecht GÜLTIG, so vertrackt ist das Kirchenrecht! Wegen seines eigenmächtigen Ungehorsams wurden Lefèbvre und die neu geweihten Bischöfe vom Papst sofort bestraft, nämlich exkommuniziert. Dadurch wurde die Piusbrüder – Kirche als „schismatische“, d.h. vom Papst und den Weisungen des 2. Vatikanischen Konzils „abgespaltene“ katholische Bewegung bewertet. Aber dadurch, dass sie über gültig geweihte Bischöfe verfügt, ist sie  immer noch vom Vatikan aus bewertet als katholisch einzuschätzen. Der Papst hat also keine Alleinverfügungs-Gewalt mehr über diejenigen, die sich katholisch nenne. Und das empört den Papst sehr!

Seit 1970 und besonders seit 1988 gibt es auch deswegen immer wieder Versöhnungsversuche zwischen den Päpsten und den Führern dieser reaktionär – katholischen Kirche. Wie viel Energie wurde für diese Frage im Vatikan in eigenen Kommissionen etc. aufgewendet! Hätten die vatikanischen Behörden in der Zeit Theologie studiert und endlich ernst genommen, dann hätten sie wenigstens das DiakonInnen Amt einführen können. Aber nein: Den Reaktionären und Konservativen gilt im Vatikan immer bevorzugte Aufmerksamkeit!

4.
Ein wichtiger theologischer Hinweis:
Nur gültig geweihte Bischöfe garantieren in dieser merkwürdigen Theorie des Katholizismus die engste Verbundenheit mit den ersten 12 Aposteln Jesu von Nazareth: Dieser Umstand wird in der katholischen Theologie „apostolische Nachfolge“ genannt: Nur Bischöfe können und dürfen Männer zu Priestern GÜLTIG weihen. Die absolute Aufwertung der Kleriker ist bekanntlich eine ebenso fixe Idee des Katholizismus: Nur geweihte Priester dürfen der Eucharistiefeier vorstehen. Und diese Messe, eine weitere fixe Idee des Katholizismus, wird als absoluter Höhepunkt katholischen Lebens allen Katholiken eingepaukt, selbst wenn diese Messen immer in derselben Form durchaus etwas „Langweiliges“ haben, selbst wenn die einst lateinischen Gebete etc. wortwörtlich aus dem Lateinischen in die jeweiligen Landessprachen übersetzt worden sind. Die immer geringere Teilnahme an diesen Messen im aufgeklärten Europa ist ja der beste Beleg für die fremde Welt, die befremdliche Sprache und die kaum nachvollziehbare Theologie dieser Messe…. selbst wenn die Priester heute dem “gläubigen Volk” nicht mehr den Rücken zukehren. Das ist nur noch bei den Piusbrüdern oberstes Gebot!

5.
Nebenbei: Bekanntlich gilt ein Katholik dann als „praktizierend“, wenn er an der Eucharistiefeier, der Messe, an jedem Sonntag teilnimmt. Man könnte ja auch mit viel besseren Argumenten betonen, ein Katholik sei dann „praktizierend“, wenn er sich bemüht, gemäß den Weisungen Jesu in der Bergpredigt zu leben: Erst diese, auch politische kritische Praxis hätte etwas mit den Werten im Sinne Jesu von Nazareth zu tun.…

6.
Zu den „reaktionär-katholischen“ Piusbrüdern: Es ging bei den Versuchen der „Versöhnung“ im Hintergrund immer auch um die Frage, ob und wenn ja wie die Messe in der Liturgie und Theologie des 16. Jahrhunderts heute noch von den vielen Gemeinden der Piusbrüder gefeiert werden darf. Hatte doch das 2. Vatikanische Konzil (1962-1965), das so genannte Reformkonzil, die Messe in den jeweiligen Landessprachen als oberste Norm mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Aber die Reaktionär – Katholischen verstecken ihre wahre Ideologie/„Theologie“ nur hinter ihret leidenschaftlichen Zelebration der Messe in der Form des 16. Jahrhunderts. Und diese Messe des 16. bzs 19. Jahtrhunderts nennen sie die “ewige Messe” in völliger theologischer Blindheit.

Viel wichtiger ist: Die Piusbrüder und ihre Anhänger sind explizit und öffentlich ganz ungeniert gegen die Demokratie, sie sind auch gegen die Religionsfreiheit, gegen die Moderne im allgemeinen, gegen die philosophische Aufklärung. Sie sind leidenschaftlichste Verfechter im Pro-Life-Kampf, zum Schutz des ungeborenen Lebens vom ersten Moment der Zeugung an. Dass die reaktionär Katholischen gegen die „Ehe für alle“ sind, ist bekannt, dass sie gegen jede Form des Feminismus kämpfen, ist ebenso klar. Die enge Bindung der Piusbrüder an die politisch rechtsextremen Parteien ist etwa für Frankreich evident. Aber Bindungen an die Rechtsextremen gibt es auch bei Katholiken, die noch zum offiziellen französischen Katholizismus gehören wollen, wie der katholischen Medien-Mogul Vincent Bolloré, LINK,

Wir haben dokumentiert, dass 2024 über 40 Prozent der so genannten praktizierenden französischen Katholiken für die rechtsextremen Partei Front Nation (Rassemblement Nation) LINK oder die Partei des reaktionären Eric Zemmour gestimmt haben LINK.

7.
Die demokratische Welt sollte also jetzt aufatmen: Diese theologisch wie politisch rechtsextreme katholische Gemeinschaft der Piusbrüder wird also auch 2026 nicht Teil der offiziellen Papstkirche.

Die Päpste und ihre  Beamten haben seit Jahren schon ohnehin viele einzelne oder Gruppen dieser reaktionär Katholischen wieder in ihre Papstkirche aufgenommen, die Liste ist sehr lang, nur ein paar Beispiele: Etwa die Benediktiner- Mönche von Le Barroux bei Avignon LINK. Oder: Das „Institut du Bon Pasteur“ in Bordeaux LINK , es umfasst etwas moderat gewordene Piusbrüder, sie erkennen den Papst an, können aber ihre reaktionäre Theologie etc. weiter vertreten. Von vielen weiteren reaktionären, offiziell sehr päpstlichen Orden und Gemeinschaften wie dem „Institut Christ König“ wäre zu reden, LINK,  oder von den reaktionären sehr finanzstarken Katholiken in den USA, nicht nur von Steve Bannon, wäre zu sprechen LINK , sondern vom reaktionär-katholischen Umfeld von Vizepräsident Vance und seiner Freunde im Klerus usw…
Schließlich wäre die päpstliche Alternative zu den Piusbrüdern zu nennen: Es ist die papsttreue, aber selbstverständlich äußerst konservative „Petrusbruderschaft“ LINK

Dies nur als kleinen Eindruck, wie durchsetzt die offizielle Papstkirche von sehr konservativen Positionen ist. Dabei haben wir von vielen tausend theologisch – fundamentalistischen Neokatechumenalen oder den Legionären Christi mit dem „Regnum Christi“ oder dem internationalen Geheimclub “Opus Dei“ noch gar nicht gesprochen…Wer diese äußerst zahlreichen und einflußreichen sehr konservativen offiziell katholischen Kreise vor Augen hat und dann auch die vielen tausend Missbrauchs-Verbrechen durch Priester wahrnimmt oder etwa auch noch an die heftigen Klagen der Ordensfrauen denkt, die von Priestern in Afrika sexuell missbraucht werden und so weiter… der kommt zu dem Schluß: Eigentlich ist diese Papst-Kirche insgesamt mit ihrem Zölibatsgesetz, ihrer offensichtlichen Frauenfeindlichkeit, ihrer Ablehnung der „Ehe für alle“, ihrer Ablehnung der Geltung von umfassenden demokratischen Strukturen der Kirche … nur noch ein machtvolles Gerüst, das immer mehr wackelt. Es ist die fromme Folklore im Vatikan, in Assisi, Lourdes, Fatima, Medjugorje und so weiter, die noch den Eindruck hinterlässt: Der Katholizismus lebt noch in Europa…

8.
Noch mehr reaktionäre Katholiken innerhalb der Papstkirche wären jedenfalls für jeglichen kleine Hoffnung einer dringenden Kirchen – Reformation der Papstkirche  äußerst verderblich. Demokraten freuen sich also: Die Piusbrüder sollen doch ihre eigene Sache im eigenen Stil unabhängig weiter machen, sie bleiben eine Sekte, einflußreich zwar da und dort und mit vielen finanzstarken Gönnern ausgestattet.. Machen sie viel Blödsinn, kann man das theologisch öffentlich kritisieren; begehen ihre Mitglieder weiterhin Verbrechen im „pädophilen“ Bereich, wird sich der Staat hoffentlich kümmern und endlich für Aufklärung längst vergangener Taten sorgen…

9.
Aber auch das noch: Längst haben sich weitere reaktionärere Gruppen von diesen Reaktionären Piusbrüdern abgespalten: Denn der bekannte Leugner der Shoa, der Piusbruder Bischof Richard Williamson, musste 2009 aus diesem Club rausgeschmissen werden. Aber Bischof Williamson (ebenfalls gültig geweiht, durch Erzbischof Lefèbvre 1988) zog sich nicht zurück, Williamson gründete seine eigene reaktionäre Kirche, die „Union sacerdotale Marcel-Lefèbvre“ mit etwa 60 Priestern. LINK . Bischof Williamson redete viel wirres Zeug, auch viel Antisemitisches. Auch das ist  für den Papst noch eine Art Untat: Auch Williamson weihte sechs seiner Priester zu Bischöfen, sogar einen Polen, und gab seinen rechtsextremen, sich auch antisemitischen Gemeinschaft damit weiteren Bestand.

10. Papst Leo erkennt durchaus die politische Gefahr durch die Rechtsextremen: Er ist  ist ein aufmerksamer Beobachter der politischen Rechtsradikalen nicht nur in den USA, sondern auch in Spanien. Die Zeitung „El Pais“ berichtet am 23.2.2026: Der Papst warnte die spanischen Bischöfe vor der immer stärker werdenden rechtsradikalen Partei VOX in Spanien: Diese Partei „instrumentalisiere“ die Kirche für ihre rechtsextremen Zwecke, und: die Partei sei gefährlich, weil sie feindlich gegen Ausländer und Flüchtlinge eingestellt sei.
Tatsache ist: Gerade unter praktizierenden Katholiken ist der Anteil der Vox – Wähler und Vox-Anhänger sehr hoch, diese Katholiken stört die fremden-feindliche Politik der VOX nicht. Quelle: LINK:

Der “Religionsphilosophische Salon Berlin” hat sich mehfach, schon seit vielen Jahren, mit rechtsextremen Katholiken vor allem in Frankreich auseinandergesetzt. Etwa im Jahr 2018:LINK

Sehr ausführliche und zuverlässige, wissenschaftliche Informationen zu diesem weiten Thema „Piusbrüder“ bietet die französische Ausgabe von wikipedia unter dem Titel:  Fraternité Saint Pie X und auch der Wikipedia Beitrag zum sexuellen Missbrauch durch Priester in diesem Club: Abus sexuels dans la fraternité Saint-Pie-X.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

 

Reliquien, alte Knochen, des heiligen Franziskus von Assisi werden jetzt in Assisi öffentlich ausgestellt

Die Verehrung des Toten im Katholizismus findet kein Ende
Ein Hinweis von Christian Modehn am 18.2.2026

1.
Nun werden also auch die Knochen des heiligen Franziskus von Assisi, gestorben vor 800 Jahren, öffentlich der Verehrung feilgeboten. Uraltes Gebein und sicher auch mittelalterlicher Staub können ab kommendem Wochenende in Assisi bestaunt, bewundert, verehrt werden. 350.000 Menschen haben sich bereits zur „Knochen-Show“ angemeldet, sie werden dann in der Basilika San Francesco zu Assisi angesichts der Reliquien ihre Bittgebete in den Himmel senden. (Siehe “Tagesspiegel”, 18.2.2026) Die offizielle päpstliche Mitteilung zur Knochenverehrung  des h. Franziskus von Assisi: LINK

2.
Keine Frage: Franziskus von Assisi ist eine der ganz großen Gestalten der christlichen Geschichte; seine Biografie zu studieren, ist immer inspirierend, zumal sein freundschaftliches Interesse für islamische Gläubige. Wichtig auch seine Kritik an einer viel zu reichen und viel zu mächtigen, gewaltigen Kirche der Päpste. Franziskus wollte arm sein, er lebte in seiner Person und mit der ersten radikalen Brüder-Gemeinschaft eine Kirche der Armen. Er musste sich dann aber dem päpstlichen Druck ergeben und integrierte sich als Ordensgründer offizieller Art ins päpstliche System…Nur die Waldenser hielten gegen die Päpste stand und wurden selbstverständlich verfolgt, aber ihre radikale Kirche lebt bis heute!
Franziskus jedenfalls hat auch als Poet einen Namen, man denke an seinen „Sonnengesang“.

3.
Dieser äußerst ungewöhnliche Mensch verdient also wirklich viel Beachtung. Aber nun, wieder, wie üblich im Katholizismus, werden Knochen und Staub-Reste, genannt Reliquien, den Neugierigen feilgeboten. Dieser Kult bringt kirchlichen und staatlichen Behörden viel Geld ein, man denke etwa auch an die Millionen Euro, die in San Giovanni Rotondo gespendet werden, am Grab, am offenen Sarg, des heiligen Scharlatans Padre Pio, des angeblich Stigmatisierten, der so gern seine angeblich blutigen Hände der verzückten Öffentlichkeit zeigte…LINK 

4.
Die katholische Kirche kann vom Folklorekult der Reliquien – Zurschaustellung genauso wenig lassen wie vom immer noch üblichen Ablass-UnWesen. Im Heiligen Jahr 2025 gab es den immer nich begehrten Ablass, im Jahr des Franziskus – Jubiläums 2026 wird es ihn ebenso wieder geben… Der etwas ramponierte Petersdom soll alsbald repariert werden, tatsächlich!

5.
Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) führt ausführlich ins kritische Nachdenken über den Katholizismus! Wir haben mehrfach auf die sehr richtige und nach wie vor gültige Katholizismus-Kritik Hegels hingewiesen. Einige Zitate aus einem unserem Hegel-Beiträge zum Thema bieten wir in Nr. 7.

6.
Unsere kritischen Hinweise sind natürlich innerhalb des Katholizismus wirkungslos, also eigentlich ziemlich sinnlos. Albert Camus tröstet mit seinem Wort: „Man muss sich Sisyphus als glücklichen Menschen vorstellen“…
Die Päpste und Prälaten machen also den alten blöden Zauber weiter, weil er immer noch Geld einspielt. Anstatt sich als Kirche und Kirchenführung, als Klerus, öffentlich intensiv zu fragen: Wie kann die Kirche im Sinne des Franz von Assisi heute arm werden, also sich kritisch aus den Klammern des Kapitalismus und Neoliberalismus auch in ihren eigenen Reihen befreien… da werden uralte Knochen feilgeboten, wie einfallslos und intellektuell erbärmlich ist das alles. Natürlich später werden, im Laufe des langen Franziskus – Jubeljahres, wie üblich viele sehr feierliche Messen gelesen und erbauliche Worte gesprochen, „wie immer“…

7..
Nun aber ein Auszug aus unserem Beitrag: Hegel und der Katholizismus:

Zentral ist für Hegel die Erkenntnis: Der Katholizismus ist für Hegel „stehen geblieben“. Er ist noch immer machtvoll vorhanden, aber er ist nicht „wirklich“, im emphatischen, im Hegelschen Sinn von Vernünftigsein! Der Katholizismus ist also durchaus „veraltet“, überholt, weil noch eingebunden in eine vom Geist und der Vernunft längst überwundene Erfahrung von Gott, Mensch und Freiheit.

Laien wurden im katholischen Mittelalters minderwertig betrachtet! Zentral für Hegels Katholizismus Kritik ist auch die Verehrung bzw. Anbetung der Hostie: Diese ist der verwandelte, trans-substituierte Jesus Christus, verwandelt in ein winziges Stückchen Brot. Und diese Hostie ist in eine goldene Monstranz gesetzt. Die Hostie als äußere und äußerliche also veräußerlichte Präsenz des Göttlichen hat für Hegel weit reichende Bedeutung: “Wenn aber einmal zugegeben ist, dass Gott in äußerlicher Gegenwart ist, so wird zugleich dieses Äußerliche zu einer unendlichen Mannigfaltigkeit…dass Christus da und dort, in diesem und jenen, erschienen ist…Allerorten werden also in höher begnadeten Erscheinungen, Bluteindrücken von Christus sich Vergegenwärtigungen des Himmlischen begeben…Die Kirche ist daher eine Welt voller Wunder… Das Göttliche erschient als ein vereinzeltes Dieses, also ein Ding, eine Reliquie etwa“. („Vorlesungen über die Philosophie der Weltgeschichte“, Meiner Verlag, Hamburg, 1968, Seite 823 f.).

Die Konsequenzen dieser veräußerlichten Frömmigkeit, die sich an wundersame Dinge, heilige Gegenstände, heilige Orte, heilige Personen, heilige Leichen, Reliquien usw. hält, sind für Hegel gravierend: Es gibt dann die entzückten, aber ungebildeten, dumm gehaltenen Laien, die sich an diese heiligen Dinge gewöhnen sollen. Und es sind die Kleriker, die diese veräußerlichte Form der Frömmigkeit fördern. Damals, im 19. Jahrhundert, begannen die umstrittenen Wallfahrten zum „Heiligen Rock“, der angeblichen Kleidung Jesu Christi.
Es wird also in der Sicht Hegels den Laien verwehrt, im eigenen Geist die unmittelbare Verbindung mit Gott zu leben. In seinen „Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie“ sagt Hegel in dem Zusammenhang die durchaus bis heute aktuellen Worte: „Die Menschen sind keine Laien“ (S. 297), „die Laien sind (im Katholizismus) aber dem Göttlichen fremd“ (S. 454) und vor allem: “Denkende Menschen als Laien behandeln ist das Härteste“ (S. 297). („Theorie Werkausgabe“, Band 20, Suhrkamp, 1970). Großartige, aktuell relevante Wirte, man denke an das Hin und Her, an die bescheidenen Erfolge und die vielen Frustrationen des „Synodalen Weges“. Diese Katholiken laufen in ihrer Forderung nach einer wenigstens etwas demokratischen Kirche gegen die allerdicksten Mauern seit Jahrzehnten…

In der katholischen Frömmigkeit erscheint für Hegel „das Verderben, der Aberglauben überhaupt“ in der Verehrung von heiligen Orten, von heiligen Knochen. „Das ist Wunderglaube der ungereimtesten und läppischsten Art. Denn das Göttliche wird auf eine ganz vereinzelte und endliche Weise für ganz endliche und besonders Zwecke da zu sein gemeint…“ (S. 873). Hegels richtige Reliquien – Kritik – Erich Fromms Erkenntnis zur „Nekrophilie“ vorausgreifend – findet förmlich Unterstützung durch Jesus Christus selbst: Der Philosoph zitiert die Frage des „Auferstandenen“: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten“? („Vorlesung über die Philosophie der Geschichte“, S. 471, bezogen auf Lukas Kap. 24).

Das Geistvolle, das Lebendige, ist einzig eben nur beim Geistigen, beim Vernünftigen, zu suchen und auch zu finden.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin