Willkommen im Religions-Philosophischen Salon Berlin

Der Religionsphilosophische Salon Berlin. Einige Hinweise von Christian Johannes Modehn und Hartmut Wiebus.

Wer sich zunächst für die Vielfalt der Themen interessiert, die wir in unserem „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin“ besprochen und diskutiert haben: LINK

1.
Der Religionsphilosophische Salon Berlin ist seit 2007 eine Initiative von Christian Johannes Modehn und Hartmut Wiebus. (Biographische Hinweise: Fußnote 1.)
 Übliche, also öffentliche Salon – Veranstaltungen fanden monatlich von 2007 – 2020 statt. Jetzt gestalten wir philosophisch – theologische Gespräche in kleinerem Kreis. Regelmäßig werden neue Beiträge als Hinweise zur philosophischen und theologischen Debatte auf unserer Website publiziert, bis jetzt sind es 1.800 Beiträge, „Hinweise“ genannt, Stand 26.9.2025.

2.
 Titel und „Sache“ eines „(religions-)philosophischen Salons“ sind alles andere als verstaubt. Das Interesse an philosophischen Gesprächen und Debatten in überschaubarem Kreis, in angenehmer Atmosphäre eines Salons, ist evident. Das gilt, selbst wenn viele Interessierte beton(t)en, „Philosophie“ sei schwierig. Das ist sie vielleicht, nicht aber Philosophieren: Es ist das Lebenselement eines jeden Menschen.
 In unserem religionsphilosophischen Salon wird das möglichst eigenständige Philosophieren (kritische Nach – Denken) geübt.
 Philosophische Religionskritik gehört elementar zur Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie. Philosophische Religionskritik kann zeigen, welche Form einer vernünftigen Religion bzw. Spiritualität heute zur Lebensgestaltung gehören kann.

3.
 Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie gibt es nur im Plural, die (Religions-)Philosophien in Afrika, Asien und Lateinamerika dürfen nicht länger als „zweitrangig“ behandelt werden. In welcher Weise Religion dort zum „Opium“ wird angesichts des Elends so vieler Menschen, ist eine relevante Frage, auch angesichts der Zunahme von christlichem und muslimischem Fundamentalisten. Dringend ist die Frage: Inwieweit ist philosophisches Denken Europas eng mit dem kolonialen Denken verbunden?

4. 
In unseren Gesprächen wird oft erkannt: Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phien bieten in ihren vielfältigen Entwürfen unterschiedliche Hinweise zur Fähigkeit der Menschen, ihre engen Grenzen zu überschreiten und sich dem im Denken zu nähern, was die Tradition Gott oder Transzendenz nennt.

5.
 Uns ist es wichtig uns zu zeigen, dass Menschen im philosophischen Bedenken ihrer tieferen Lebenserfahrungen das Endliche überschreiten und das Göttliche, das Transzendente, erreichen können. Das Göttliche als das Gründende und Ewige zeigt sich dabei im Denken als bereits anwesend und dieses denkende Transzendieren ermöglichend. Die auf das Wesentliche reduzierte Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie von Kant gilt uns als wichtige Inspiration für eine heutige vernünftige (!) christliche Spiritualität.

6.
 Insofern ist Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie auch eine subjektive Form der Lebensgestaltung, d.h. eine bestimmte Weise zu denken und zu handeln.
Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie kennt keine Dogmen, sicher ist nur das eine Dogma: Umfassend selbstkritisch zu denken und alle Grenzen zu prüfen, in die wir uns selbst einsperren oder in die wir durch andere, etwa durch politische Propaganda, durch Konsum und Werbung im Neoliberalismus, eingeschlossen werden. Der Widerspruch und der Kampf gegen alle Formen des Rechtsradikalismus (AFD, FPÖ, Le Pen, usw.) und Antisemitismus muss zum Mittelpunkt nicht nur unserer, sondern der philosophischen Arbeit insgesamt werden. Es gilt, die Demokratie zu retten.

7.
 Die „Entdeckungsreisen“ der Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phien können angestoßen werden durch explizit philosophische Texte, aber auch durch Poesie und Literatur, Kunst und Musik, durch eine Phänomenologie des alltäglichen Lebens, durch die politische Analyse der vielfachen Formen von Unterdrückung, Rassismus, Fundamentalismus, Kapitalismus. Mit anderen Worten: Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phie findet eigentlich immer – oft umthematisch – in allen Lebensbereichen statt.

8.
 Wo hat unser religionsphilosophischer Salon seinen „materiellen“ Ort? Als Treffpunkt, als Raum, eignet sich nicht nur eine große Wohnung oder der Nebenraum eines Cafés, sondern auch eine Kunst – Galerie. In den vergangenen 7 Jahren fanden wir in der Galerie „Fantom“ in Charlottenburg freundliche Aufnahme. Zuvor in verschiedenen Cafés. Kirchliche Räume, Gemeinderäume etwa, sind für uns keine offenen und vor allem keine öffentlichen Räume.

9. 
In unserem religionsphilosophischen Salon sind selbstverständlich Menschen aller Kulturen, aller Weltanschauungen und Philosophien und Religionen willkommen. Unser Salon ist insofern hoffentlich ein praktisches Exempel, dass es in einer Metropole – wie Berlin – Orte geben kann, die auch immer vorhandenen „Gettos“ überwinden.

10.
 Darum haben wir in jedem Jahr im Sommer Tagesausflüge gestaltet, mit jeweils 10 – 12 TeilnehmerInnen: Etwa nach Erkner (Gerhart Hauptmann Haus), Karlshorst (das deutsch-russische Museum), Jüterbog als Ort der Reformation, das ehem. Kloster Chorin, Frohnau (Buddhistisches Haus), das Dorf Lübars… Außerdem gestalteten wir kleine Feiern in privatem Rahmen anlässlich von Weihnachten. Auch ein Kreis, der sich mehrfach schon traf, um Gedichte zu lesen und zu meditieren, hat sich aus dem Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon entwickelt. Aber alle diese Initiativen waren (und sind wohl) mühsam, u.a. auch deswegen, weil letztlich die ganze Organisation von den beiden Initiatoren – ehrenamtlich selbstverständlich – geleistet wurde und wird. Das ist der Preis für eine völlige Unabhängigkeit.

11.
 Anlässlich der „Welttage der Philosophie“, in jedem Jahr im November von der UNESCO vorgeschlagen, haben wir größere Veranstaltungen mit über 60 TeilnehmerInnen im Berliner AFRIKA Haus gestaltet, etwa mit dem Theologen Prof. Wilhelm Gräb, dem Theologen Michael Bongardt. Der Berliner Philosoph Jürgen Große hat in unserem Salon über Emil Cioran gesprochen, der Philosoph Peter Bieri diskutierte im Salon über sein Buch „Wie wollen wir leben?“, die Politologin Barbara Muraca stellte ihr Buch „Gut leben“ vor, Thomas Fatheuer von der Heinrich – Böll- Stiftung vertiefte das Thema; der evangelische Pfarrer Edgar Dusdal (Karlshorst) berichtete über seine Erfahrungen in der DDR; der Theologe der niederländischen Kirche der Remonstranten, Prof. Johan Goud (Den Haag), war zweimal bei uns zur Diskussion, öfter dabei waren Dik Mook und Margriet Dijkmans-van Gunst aus Amsterdam…

Die Liste unserer Gäste und Refernten: Zu unseren Gästen, auch als Referenten, gehören  Theologe Prof. Wilhelm Gräb, die Soziologin Prof. Barbara Muraca, Pfarrer Edgar Dusdal (Berlin), der Studienrat für Kunst Gerd Otto (Berlin), der Theologe und Kulturwissenschaftler Prof. Johan Goud (Den Haag), der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich (Leipzig), der Philosoph Prof. Lutz von Werder (Berlin), der Philosoph Dr. Jürgen Große (Berlin), der Buddhismus-Lehrer Michael Peterssen (Berlin), der Komponist Joachim Gies (Berlin), Dr. Dorothea Hasskamp vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst (Berlin)……

12.
 Es ist uns leider deutlich, dass innerhalb der philosophischen Studiengänge an Hochschulen und Universitäten nicht im entferntesten daran gedacht wird, auch das Berufsbild eines Leiters, einer Leiterin besser „Inspiratorin“ philosophischer Salons zu entwickeln. Damit PhilosophInnen freilich ,als Salonnières arbeiten können, müsste die Kulturpolitik entsprechend handeln. Aber die interessiert sich offenbar absolut vor allem für die so genannte Hochkultur der Oper und der Theater, nicht aber für eine Form der „Basis-Philosophie“ als Möglichkeit, vor Ort unter den vielfältigen Menschen tiefere Kommunikation zu ermöglichen.
Eigentlich bräuchte es etwa in Berlin in jedem Stadtbezirk mindestens einen philosophischen Salon, besser noch ein philosophisches „Haus“ mit öffentlich zugänglicher kleiner Fach – Bibliothek , Lesezimmer, Meditations- Denk-Raum und Tee/ Kaffee-Stube.Viele leerstehenden Kirchen könnten entsprechend umgestaltet werden. Dass dort auch philosophisch – literarische Debatten oder Diskussionen zu Grundfragen der Politik, der Kunst und Musik und Spiritualität stattfinden können, ist keine Frage.

13.
 Die Bilanz: Einige wenige Interessenten außerhalb von Berlin haben die Idee des religionsphilosophischen Salons aufgegriffen. Aber wir können nicht sagen, dass etwa im kirchlichen Bereich, evangelisch wie katholisch, die Idee des freien und undogmatischen und offenen Salon-Gesprächs aufgegriffen und realisiert wurde.
Je mehr Christen aus den Kirchen austreten, um so ängstlicher und dogmatischer werden die Kirchen(führer), also auch ihre Pfarrer usw. Der Weg der Kirche in ein kulturelles Getto scheint vorgezeichnet zu sein, zumindest für die katholische Kirche. Tatsächlich haben sich über all die Jahre unserer Arbeit sehr sehr wenige „Vertreter“ der großen Kirchen für unsere Initiative überhaupt interessiert. Wir haben diese Ignoranz auch als Freiheit erlebt.

14.
 Hinweis zu unseren Themen:
Eine Übersicht unserer Themen im Salon von Februar 2020 bis 2015 finden Sie hier. Die Themen von 2009 bis 2015 werden demnächst dokumentiert. Die bisher 1.750 religionsphilosophischen und religionskritischen Hinweise von Christian Modehn, publiziert auf der Website www.religionsphilosophischer-salon.de, hatten bis zum  8.1.2026  3.007.000 „Zugriffe“, wie die Statistik dokumentiert.

15.
 Unser letztes öffentliches Salongespräch vor der Corona – Pandemie fand am Freitag, den 14.Februar 2020 , wie immer um 19 Uhr, statt, über das Thema: „Das Kalte Herz“. Mehr als ein Märchen (von Wilhelm Hauff). „Das kalte Herz“ offenbart die „imperiale Lebensweise“. 22 TeilnehmerInnen waren dabei. Leider mussten wir – wie öfter schon – acht Interessierten absagen, weil der Raum eben klein ist und nur eine überschaubare Gruppe eine Gesprächssituation ermöglicht. Aber das große Interesse, ohne jede öffentliche Werbung, allein im Internet, und ohne jede Finanzierung von außen, ist immer wieder bemerkenswert. Für einige vertiefende Hinweise zur imperialen Lebensweise: Beachten Sie diesen LINK.

16. Zu unseren Gästen, auch als Referenten, gehören etwa: Der Philosoph Prof. Peter Bieri, der Philosoph und Theologe Prof. Michael Bongardt, der Theologe Prof. Wilhelm Gräb, die Soziologin Prof. Barbara Muraca, Pfarrer Edgar Dusdal (Berlin), der Studienrat für Kunst Gerd Otto (Berlin), der Theologe und Kulturwissenschaftler Prof. Johan Goud (Den Haag), der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich (Leipzig), der Philosoph Prof. Lutz von Werder (Berlin), der Philosoph Dr. Jürgen Große (Berlin), der Physiker Dr. Hans Blersch (Berlin)…

17. Wir haben unsere philosophischen, religionsphilosophischen und theologischen Gespräche im Salon als Ausdruck der Spiritualität der freisinnigen protestantischen Remonstranten – Kirche (in Holland) verstanden. Dabei haben wir, ebenfalls der offenen, freisinnigen Theologie der Remonstranten entsprechend, keine Werbung für diese protestantische Kirche „betrieben“.

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Dieser Hinweis vom 7.2.2023 wurde am 3.2.2025 überarbeitet.

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FUßNOTE 1: 
Gründer und Initiatoren des „Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon Berlin“:

Christian (Johannes, 2. Vorname) Modehn,  1948 in Berlin (Ost) – Friedrichshagen geboren, nach dem Abitur am Goethe – Gymnasium in Berlin – Wilmersdorf, Studium der katholischen Theologie (Staatsexamen nach 6 Jahren Studium in München, und St. Augustin bei Bonn und der Philosophie (Magister Artium in München, über Hegel). Christian Modehn war einige Jahre Mitglied einer katholischen Ordensgemeinschaft.  Christian Modehn arbeitet seit 1973 immer als freier Journalist über die Themen Religionen, Kirchen und Philosophien, für Fernseh- und Radiosender der ARD, sowie früher auch für die Zeitschrift PUBLIK – FORUM: LINK, sowie auch für „Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt“ (Hamburg), „Informations Catholiques Internationales“ (Paris), „de bazuin“ (Utrecht)  usw.. Zur Information über einige Hörfunksendungen und Fernsehdokumentationen und zu einigen Buchpublikationen: LINKSeit 2010 ist Christian Modehn Mitglied der freisinnigen protestantischen Kirche der Remonstranten (Niederlande). 

Hartmut Wiebus, 1944 in Seehausen/Altmark geboren, hat in Berlin (F.U.) Pädagogik (Diplomarbeit über Erich Fromm) und Psychologie studiert, und vor allem als evangelischer Klinikseelsorger gearbeitet. Er hat u.a. viele unserer Themen angeregt und immer als Moderator die Gespräche begleitet.

Copyright: Christian Modehn und Hartmut Wiebus. Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 20. Mai 2026 durch CM

Räume, wo wir SCHREIEN können…

Ein Hinweis von Christian Modehn am 14.4.2022.

1.Wir brauchen heute Orte, wo wir schreien können, brüllen, fluchen, oft auch ohne Worte. Nur diese laute Klage! Kein eleganter Klage-Gesang, sondern nur brüllendes Stammeln, weil wir Krieg, Mord, Massenmord, Völkermord, nicht mehr runterschlucken und verdrängen können.

2. Der Krieg Putins gegen die Menschen im demokratischen Staat Ukraine sprengt unsere Geduld. Wir können das Abschlachten nicht mehr ertragen und nicht die horrenden Fehler der demokratischen Politiker gegenüber Putin seit spätestens 2014. Wir möchten unsere Wut darüber auch rausbrüllen.

Das kann uns dann wieder zur Sprache zurückführen, zum Disput, zur politischen Aktion.
Aber jetzt wollen viele ihre maßlose Wut, die hilflos ist, erst mal rausbrüllen, als Zeichen eines verzweifelten Neins zu diesem Verbrecher, der sich Politiker nennt und viele Jahre hofiert wurde, auch von deutschen Politikern…Auf Demonstrationen darf eher nicht geschrieen werden.

3. Haben wir fürs Schreien noch entsprechend große Räume und Orte? Nein. Obwohl diese Gebäude herumstehen, diese leeren Kirchen, die nur ein paar Stunden pro Woche von ein paar Leuten genutzt werden, sonst aber verschlossen sind als Beweis dafür, dass Kirche eigentlich verschlossen ist für die Menschen von heute und sich nichts Neues einfallen lässt, um in Kriegszeiten den Menschen auch hier beizustehen.

4.Gewiss: Wir brauchen Gesprächsräume angesichts des Krieges, Begegnungsräume mit Flüchtlingen, Räume, die Solidarität organisieren.
Aber wir müssen auch an unser seelisches Leiden denken. Für eine Therapie wären Räume nötig, wo wir schreien dürfen.

5. Eine Erinnerung:
„Räume des Schreiens“ habe ich in San Francisco Mitte der neunzehnhundertachtziger Jahre erlebt. Sie waren in Kliniken und in Hospizen eingerichtet. Hier konnten Menschen laut schreien und heulen und klagen in ihrer seelischen Qual, in den Stunden, wo sie gerade Freunde verloren hatten. Sie waren als Schwule an AIDS gestorben. Da konnten nur die hartherzigen Moralapostel fundamentalistischen evangekikalen christlichen Glaubens stumm bleiben oder die Schwulen als Schweine titulietren.
Diese Schrei-Räume waren „ehrlich“, das heißt: Sie hatten nichts von der vornehmen Verschwiegenheit der Abschiedsräume in Krematorien und auf Friedhöfen. In den Schrei-Räumen von San Francisco durfte wirklich gebrüllt werden. Schreien ist eine Sprache, die der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit. Und auch die Sprache des Gebets, man lese bitte mal wieder die allgemein zugängliche Poesie der Psalmen.
Diese Räume des Schreiens hatten gepolsterte Wände, so dass die Außenwelt nicht gestört wurde. Sie hätte ruhig gestört werden sollen, aber die USA sind nun mal darauf bedacht, eine gewisse Sterilität zu pflegen.
Die Schreienden blieben meist unter sich, wenn nicht einige mitfühlende Freunde das Schwererträgliche mit ertragen und mit hören wollten.

6. Heute aber müssen wir schreien, angesichts des Krieges in der Ukraine, eines Krieges, der die ganze bisherige Welt-„Ordnung“ durcheinander schmeißt. Alles wird umgekrempelt, auch aller gute und vertraute Sinn geht weltweit verloren, wird bewusst vernichtet, bloß weil ein Verbrecher in Moskau sich diesen Krieg ausgedacht hat. Und dabei unterstützt wird von dem Chef der russisch-orthodoxen Kirche, dem Patriarschen Kyrill I., auch er, wie Putin, führendes KGB Mitglied und wie sein Ideal ebenfalls Multimillionär.

7. Ich habe schon vor zwei Jahren auf dieser website für Räume plädiert, wo wir schreien können als spirituell – philosophische Initiative, damals dachte ich daran wegen des Abschlachtens der Menschen in Syrien, ich dachte an die auf dem Mittelmeer krepierenden Afrikaner, an die Menschen in den Lagern in Libyen, in Nordkorea …

8. Schreien ist auch eine Therapie-Form bei Leiden im engeren, persönlichen Erleben. Auch hier ist Schreien eine Tat der Befreiung von Unerträglichem.

9. Ich empfehle, in den Städten, möglichst in Parkanlagen, „Häuser des Schreiens“ einzurichten. Vielleicht kleine Rundbauten, kahl die Wände, eher dunkel der Raum. Ohne Schmuck. Eher ein Raum „ohne alles“, ein Raum des Nichts. Und da können die Menschen, die das Unerträgliche der Politik, den Hass in der Welt, nicht länger runterschlucken können, nicht länger ersaufen können, wenigstens laut schreien. Das kann ohne Worte geschehen, vielleicht schreit man nur „Hilfe“ oder „Es ist genug“ oder „Ihr verdammten Mörder“ oder nur das flehentliche Gebet „Hört auf“. Der Raum sollte so groß sein, dass mehrere Menschen, selbstverständlich in unterschiedlichen Sprachen, dort schreien können.

10. Vielleicht treffen sich diese schreienden verzweifelten Rebellen danach, seelisch ein wenig erleichtert, in einem separaten Raum innerhalb des „Hauses des Schreiens“ wieder und verabreden sich zum Gespräch. Vielleicht auch zu einer Aktion zugunsten der besonders Leidenden. Zugunsten der Menschenrechte.

11. Natürlich wäre es, wie gesagt, viel einfacher, die vielen leerstehenden Kirchen als Orte des Schreibens einzurichten. Orte für Urnen-Bestattungen, Kolumbarien, sind manche Kirche, sogar in Deutschland, schon geworden. Warum nicht auch diese leer stehenden Kirche in etwas Lebendiges verwandeln, in Orte des Schreiens.

12. Vielleicht sollte ein Bild, als  große Kopie, in einem sonst bildlosen Schrei – Raum hängen: Ein Gemälde, das der britische Maler Francis Bacon geschaffen hat und das in verschiedenen Formen Papst Innozenz den Zehnten (gestorben 1655) zeigt, nach einem Vorbild von Velasquez gemalt. Dieser Papst sitzt wie gefesselt auf einem Stuhl und brüllt. So wie, Papst Franziskus in seinen so prophetischen Weihnachtsansprachen vor den Kardinälen der Kurie auch am liebsten brüllen würde. … Natürlich war Innozenz der X. wie so viele Kirchenfürsten und Vatikan-Prälaten damals völlig haltlos. Also jähzornig brüllend. Aber dieses großartige Gemälde eines brüllenden Papstes geht tiefer: Weil selbst der so genannte Stellvertreter Christi und die Kirchen insgesamt absolut hilflos sind, bestenfalls noch schreien und brüllen können: Die Kleriker als Kleriker können den Mörderbanden weltweit keinen Einhalt gebieten. Der Glaube ist in der traditionellen Form absolut schwach. Ein Nichts? Wahrscheinlich: Den Päpsten und den Kirchen gelingt es nicht, mit Ethos und Glauben die Mörderbanden zu besiegen. Und dann reden sie von Erlösung. Da können die einzelnen nur noch schreien … und danach, seelisch erleichtert, auf die eigene Art Gutes tun. Vielleicht werden nur in kleinen Schritten Revolutionen vorbereitet.

13. Die Gemeinde der Schreienden ist ökumenisch und nicht-konfessionell. Sie ist über die etbalierten verschlossenen Kirchen hinausgewachsen, die bekanntlich wirklich oft „zum Schreien“ sind … nicht nur wegen der Verbrechen sexuellen Missbrauchs durch Kleriker.

Copyright: CHRISTIAN MODEHN, Religionsphilosophischer Salon Berlin.
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Clara F. Janning schreibt uns:
Der Text „Räume wo wir schreien können“ ist mir aus dem Herzen gesprochen! Und dann wäre da ja, zur gedanklich-therapeutischen Unterfütterung, auch noch Arthur Janov mit seiner „Urschrei“-Therapie zu lesen – wobei ich meine, dass ein solches Zu-seinem-Schmerz-Gehen der professionellen, zumindest aber emotional intelligenten bzw. kompetenten Begleitung bedarf.
Goethes Tasso begnügt sich übrigens mit Wort und Träne, dank der von „einem Gott“ gegebenen Gabe, „zu  s a g e n, was [er] leide[t.
Das sei mit Dank für Ihre inspirierenden Gedanken (das utopische Denkmodell) hier zur Sache noch zitiert, mit besten Grüßen an den und in den Philosophischen Salon von Clara F. Janning
Ja, du erinnerst mich zur rechten Zeit! –
Hilft denn kein Beispiel der Geschichte mehr?
Stellt sich kein edler Mann mir vor die Augen,
Der mehr gelitten als ich jemals litt,
Damit ich mich mit ihm vergleichend fasse?
Nein, alles ist dahin! – Nur eines bleibt:
Die Träne hat uns die Natur verliehen,
Den Schrei des Schmerzens, wenn der Mensch [im Original: Mann] zuletzt
Es nicht mehr trägt – Und mir noch über alles –
Sie ließ im Schmerz mir Melodie und Rede,
Die tiefste Fülle meiner Not zu klagen:
Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt,
Gab mir ein Gott zu sagen, wie ich leide.

Aktualisiert am 10. Februar 2026 durch CM

Kirchen und Religionen sollten nicht die Demokratie bestimmen, auch nicht in den USA!

„Mit Gott gegen die Demokratie“ – Das neue wichtige Buch von Arnd Henze über die USA
Ein Hinweis von Christian Modehn am 20.6. 2026

1.
Der 4. Juli 2026 ist der 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung in den USA. Ein ganz großer Feiertag, hoffentlich dort auch ein Gedenk-Tag. Der 4. Juli ist für die Trump – Regierung und seine nationalistische MAGA-Bewegung von höchster Bedeutung. Sie werden den tiefgreifenden Umbruch in der Geschichte der USA feiern, also die neue antidemokratische „Ordnung“, die sie in den Jahren der Trump Herrschaft durchgesetzt haben. Seinen Sieg verdanken Trump und die Seinen vor allem auch den extrem wütenden „white evangelikal Christians“. „Sie lieben Trump nicht trotz, sondern wegen seiner tiefen Verachtung für alle Grenzen des Rechts und des Anstands“, schreibt Arnd Henze in seinem wichtigen Buch (S.10).

2.
Es ist also nicht nur naheliegend, sondern geboten, die für Europäer kaum vorstellbar große Bedeutung des Christentums in den USA heute zur Kenntnis zu nehmen, auch die kaum zu überblickende Vielfalt der Konfessionen dort – oder der Vereine, die sich Kirchen nennen. Auch wenn die Zahl der Konfessionslosen und Atheisten sogar in den USA stetig steigt, 2026 nennen sich etwa 29 Prozent der US-Bürger „Konfessionslos“ („Nones“): Die nationalistischen Politiker brauchen auch heute den sich christlich nennenden religiösen Fundamentalismus als ideologisches Schmiermittel für ihre menschenverachtenden Politik. Nur mit ihrem diffusen und jeglicher Rationalität entbehrenden christlich genannten Glauben können sie den Nebel erzeugen, den sie für ihre menschenverachtende Innen – wie Außen – und Kriegs-Politik benötigen.

3.
Man achte darauf, dass Präsident Trump als oberster Chef der viel gerühmten US-Demokratie von Friedensforschern heute als ein neuer Warlord, als „Kriegsherren“, eingereiht wird in die lange Liste ähnlicher Machthaber, wie Putin, Netanyahu und viele Herrscher im Nahen Osten oder in Afrika. Das entsprechende „Friedensgutachten“ der Friedensforscher wurde im Juni 2026 veröffentlicht, pünktlich als wissenschaftliche Einschätzung des Krieges von Netanjahu und Trump gegen den Iran, ein Krieg, der minimale Erfolge für die USA und Israel „gebracht“ hat. Diese werden aber von Trump in seinem Größenwahn als Siege verkündet, bloß weil das Benzin wieder billiger ist. Warlords sind kriegerische Herrscher, sie inszenieren ihre Kriege, wie es ihnen gerade nach Laune in den Kram passt, um es drastisch zu sagen. Der menschliche Schaden ihrer zudem noch schlecht vorbereiteten Kriege ist ihnen egal. Warlords wie Trump sind die Zerstörer der internationalen Ordnung. LINK https://www.fr.de/politik/putin-trump-und-netanjahu-verhalten-sich-wie-warlords-94341847.html
Dieser Warlord, US – Präsident Donald Trump, wird, wie gesagt, von evangelikalen und anderen rechtsextremen Christen wie ein Heilsbringer verehrt.

4.
Das Buch von Arnd Henze „Mit Gott gegen die Demokratie“ zeigt nicht etwa nur ein begrenztes religionskritisches oder theologiewissenschaftliches Problem, es bewegt nicht nur Fachleute: Der Untertitel heißt: „Warum der christliche Nationalismus alle angeht“. Erschienen ist das Buch im Gütersloher Verlagshaus, 2. Auflage auch im Jahr 2026.
Zur Ermunterung: Das Buch ist sehr gut geschrieben, sehr gut zugänglich, es hat 218 Seiten und kostet nur 20 Euro.

5.
Arnd Henze ist ein herausragender Kenner der Kirchen in den USA, seit vielen Jahren recherchiert er regelmäßig in den Vereinigten Staaten, er ist Journalist beim WDR. Ihm liegt auch als protestantischen Theologen daran, die Welt der vielen evangelikalen Kirchen n den USA verständlich zu machen, aber er lädt die Leserinnen auch ein wahrzunehmen, dass immer noch der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtete Konfessionen in den USA aktiv sind – auch im Widerstand gegen das Trump -Regime.
Wie meinen auch nach der Lektüre des Buches: Das Christentum ist in den USA so tief gespalten, dass die Idee einer christlichen Einheit aller Kirchen wie eine absolut ferne Utopie erscheinen muss. Diese Einheit könnte nur entstehen, wenn die Evangelikalen und ihre Netzwerke zur theologischen Vernunft kommen UND ihre reaktionäre nationalistische, und das ist immer auch egoistische Präferenz zugunsten der Menschenrechte aufgeben. Es ist bei den „white evangelikal Christians“ diese Verklammerung von reaktionär – fundamentalistisch christlich mit reaktionär – nationalistisch politisch, die wenig Hoffnung macht auf eine Wiederkehr der Demokratie in den USA. Dass auch etwa 60 Prozent der „white catholics“ für Trump gestimmt haben, betont Arnd Henze, aber viele von ihnen sind wohl durch ihre Bindung an die Autorität des Papstes in ihrer totalen Hingabe an Trump und CO. gebremst…

6.
Das Buch von Arnd Henze „Mit Gott gegen die Demokratie“ hat drei Kapitel: Im ersten Kapitel „Die Zeit der Rache“ wird der christlich nationalistische Glaube einiger führender Mitarbeiter im unmittelbaren Umfeld von Trump analysiert. Im 2. Kapitel wird die auch für Deutschland heute wichtige Frage gestellt „Wiederholt sich die Geschichte?“, werden also die Rechtsradikalen schon wieder siegen? Und dann das genauso wichtige dritte Kapitel: „Wie sich Demokratie retten lässt“. Da kann Arnd Henze einen gewissen Optimismus nicht verbergen, wenn denn die Midterms – Wahlen im November 2026 einen großen Aufschwung und Sieg der Demokraten bringen und der Widerstand der kritischen und demokratisch gesinnten Gemeinden nicht nachlässt… (Siehe LINK https://www.fr.de/politik/midterms-2026-umfragen-setzen-trump-im-kongress-unter-druck-94343892.html)

7.
Wir können hier nicht die ausführlichen Analysen des Buches zusammenfassen. Als Inspiration zugunsten einer ausführlichen Buch – Lektüre nennen wir nur einige unserer Erkenntnisse im Werk Arnd Henzes.
Im ganzen gilt: Wie ideologisch leer und erbärmlich würden diese engsten Mitarbeiter Trumps dastehen, etwa Pete Hegseth, Stephen Miller, Russel Vought: Wenn es die Bibel nicht gäbe, dieses von ihnen ideologisch mißbrauchte Buch, das in sich nur in historisch-kritischer Lektüre erschließt, von den christlichen Trump – Ergebenen aber nur als Fundgrube für einige Zitate benutzt wird, die ihre menschenverachtende Politik verzieren.

8.
„Wir stehen auf der Seite Gottes“, sagt Stephen Miller, stellvertretender Stabschef im Weißen Haus. Und zu seinen Feinden, den demokratisch Engagierten sagt er: „Ihr seid nichts. Ihr seid Bosheit. Ihr seid Hass… Wir werden die Kräfte der Finsternis und des Bösen besiegen..“ (S. 47). Stephen Miller ist allerdings kein Christ, wie alle engen Mitarbeiter in Trumps unmittelbaren Regime, er gehört zur jüdischen Gemeinschaft. Arnd Henze nennt ihn treffend. „Technokrat des Ausnahmezustandes“ (S. 43).
Dem Kapitel über den Verteidigungsminister Pete Hegeseth gibt Henze den treffenden Titel „ Der Posterboy des Christian Warriors“, des „Christlichen Kriegers.

9.
Für Peter Thiel, dem Tech – Milliardär und Investor im Silicon Valley sowie dem Mitbegründer des Datenanalyse-Unternehmens Palantir, ist kein eigenes Kapitel gewidmet. Thiel wird allerdings im Kapitel über J.D.Vance erwähnt. Freiheit und Demokratie sind für Thiel nicht kompatibel. Der Milliardär unterstützte Trump mit Millionen, für Vance spendierte der Milliardär 15 MIllionen im Wahlkampf 2022. Thiel ist auch bekannt geworden wegen seiner heftigen apokalyptischen Fantasien zu einer bevorstehenden „End-Zeit“, die durch das Auftreten des Anti – Christen bestimmt sein wird, wenn nicht Widerstand geleistet wird. In Trump sieht Thiel den entscheidenden Kämpfer gegen den Antichristen…Denn er kann die Tech-Konzerne als Organisationen des Widerstandes gegen den Antichristenn „von allen regulatorischen Hürden befreien“ (S. 54), also die Monopol – Stellung der Tech – Konzerne definitiv durchsetzen.
Peter Thiel und Vizepräsident J.D. Vance kennen sich seit etlichen Jahren. Die entscheidende Begegnung fand 2011 statt. Thiel wurde der „berufliche, religiöse und politischer Mentor“ von Vance, betont Henze (S. 53). Vance entwickelte eine „bedingungslose Loyalität zum Tech -Milliardär“(ebd.) .
Konkurrenz in der Wirtschaft lehnt Thiel ab: „Nur Monopole seien erfolgreich“(S. 54), d.h. sie bringen den gewünschten großen Gewinn fürs eigene Konto.
Zur Glaubenshaltung des zum Katholizismus konvertierten Vizepräsidenten J.D. Vance schreibt Henze: J.D. Vance glaubt an einen „Identitäten Katholizismus“. Seltsamerweise lebt er aber mit seiner Ehefrau eine gar nicht so katholisch-identitäre Ehe: Denn Usha Chilukuri Vance ist überzeugte Hindustin… Immerhin: Die Kinder sind katholisch getauft, die klassische päpstliche Forderung in Mischehen wird also befolgt!

Ende Juni 2026 hat Vance sein neues Buch vorgelegt mit dem Titel „Communion – Finding my way back to faith“ (Harper, New York). Eine Art Bekenntnisbuch, ein klein bißchen auch selbstkritisch, es erzählt von seiner Konversion, aber „man sollte das Buch weniger als Auseinandersetzung mit dem Katholizismus lesen“ statt dessen mehr als ein moralisch gefärbtes Bewerbungsschreiben um das Amt des Präsidenten verstehen, bewertet Christiane Lutz in einer ausführlichen Rezension in der Süddeutschen Zeitung (20./21. Juni 2026, S. 19) das Opus von 304 Seiten. Aber eins steht nach wie vor fest für Vance: „Das Fehlen christlicher Werte ist einer der Gründe, warum es mit der westlichen Welt bergab geht“ (Christiane Lutz). Er sorgt ja mit Trump und Seinen für diese „Werte“…
Aus aktuellem Anlass nebenbei: Es gibt offensichtlich eine Verbindung des CDU Politikers Jens Spahn mit dem privaten Netzwerk von Peter Thiel siehe: Tagesspiegel, 18.Juni 2026, https://www.tagesspiegel.de/politik/privates-netzwerk-von-peter-thiel-jens-spahn-ist-wieder-zum-treffen-eingeladen-15724994.html

10.
Im Kapitel über Trump ist wichtig: Mit Trump geschieht die „finale Absage an den demokratischen Rechtsstaat“ (S.162). ..„In all dem sehe ich wesentliche Merkmale eines autoritären und faschistischen Staates“ (ebd.) . Wichtig ist: Trump und seine nationalistischen engen Mitarbeiter glauben an das „wirkungsmächtige Narrativ der religiösen rechten, dem Seven Mountains Mandat“ (S. 13). Das heißt: Die Leute meinen, in sieben Bereichen („Mountains“, Bergen) müsse das Christentum herrschen: In der Religion, der Familie, der Bildung, der Regierung, in den Medien, der Wirtschaft und in Kunst und Kultur. (S. 13) Also: In allen Bereichen sollen die Grundsätze des Christentums (so, wie es de Nationalisten verstehen) herrschen. Christus soll als der „oberste König“ über dem Staat stehen: „Ein solches totalitäres Gesellschaftsbild kann nur in einer Diktatur verwirklicht werden…dahinter steht der Ruf nach einer Theokratie als Herrschaftsinstrumentarium des 21. Jahrhunderts“ (S. 13).

11.
Arnd Henze erinnert daran, dass der international geschätzte Historiker Timothy Snyder schon 2017 einen neuen, durchaus originellen wie treffenden Begriff für das Trump -Regime wählte, der das ganze Verstörende dieser Herrschaft – besonders in den Innenpolitik – gültig und treffend zusammenfasst: Es ist der Begriff „Sadopopulismus“. Das heißt: Der rechtsextreme Populismus im Trump Regime und der MAGA Bewegung ist sadistisch bestimmt: Also: Diese regierenden Herren wollen mit ihrer Politik bewusst und gezielt die Schwachen quälen: Arme, Ausländer, Eingewanderte, Farbige, die weite Gemeinschaft der Queers usw. und auch die Millionen Armen in der sogenannten Dritten Welt, die auf Befehl Trumps keine Hilfe mehr von USAID erhalten und so bewusst von Trump und den Seinen in den Hungertod geschickt werden.
Die von Trump und Co. inszenierte sadistische Qual bedeutet für die Menschen in den USA: Das Regime will die genannten Armen weiter tief unten halten im Elend, am liebsten viele aus den USA mit brutaler Gewalt (siehe die Untaten der Grenzschutzbehörde ICE) rausschmeißen. Und statt de facto wird aller Reichtum für die bisher schon Reichen, die Millionäre und Milliardäre, durch eine „Steuerpolitik“ vermehrt.

12.
Der Begriff Sadopopulismus hat – dem Tool folgend – eine perverse Nuance: Denn dieser Sadismus setzt eine Hierarchie von Grausamkeiten gegenüber den vielen Armen voraus: „Die eigenen Schmerzen werden erträglich, weil man anderen zusehen kann, die es viel heftiger trifft. Die Regierung lässt dich zwar (ökonomisch) leiden, etwa die schlecht bezahlten Arbeiter, also möchtest du sadistisch, dass andere noch mehr leiden als du“ (S. 155). Diese gezielt eingesetzten, abgestuften Leidenserfahrungen in der Gesellschaft der UA führen „zur Zerstörung jeder Vorstellung von Gesellschaft als einem sozialen Raum, und in dem es um eine bessere Zukunft für uns alle geht“ (ebd.)

13.
Einige unserer FRAGEN, angestoßen durch das Buch „Mit Gott gegen die Demokratie“:
Wie verhalten sich evangelikale Kreise in der EKD, wie evangelikale, selbständige Kirchen in der BRD, etwa die Baptisten, zu ihren nationalistischen rechtsextremen „Mitchristen“ in den USA? Welche Distanzierungen als öffentliche Stellungnahmen liegen da schon vor?

Warum gibt es offenbar wenig Solidarität der protestantischen Gemeinden etwa in Deutschland mit den Trump – widerstehenden KirchenGemeinden und Organisationen (etwa die unterreligiöse Gruppe „Poor People´s Campaign“) in den USA?

Wie wird die richtige Erkenntnis von Arnd Henze in kirchlichen und theologischen Kreisen in Deutschland aufgenommen: „Religionen, auch die Kirchen, tun der Förderung und für den Bestand der Demokratien NICHT gut“? Wie äußert sich Hartmut Rosa zu dieser richtigen Erkenntnis von Arnd Henze, die er ja nicht allein vertritt, siehe etwa Horst Dreier, Prof. u.a. für Rechtsphilosophie, in seinem Buch: „Staat ohne Gott“ (2018). Der bekannte Soziologe Hartmut Rosa hat ja dafür plädiert, dass Demokratie zum eigenen Bestand die Kirchen braucht. LINK
In der „Süddeutschen Zeitung“ vom 7. April 2026, Seite 16, hingegen betont Henze: „Es fehlt jede empirische Evidenz dafür, dass Religion mit ihrem inhärenten Absolutheits – und Machtanspruch einer Demokratie guttut.“

Wie können demokratische Politiker in Europa, in Deutschland, den Umgang mit Trump und seinen engsten Mitarbeitern überhaupt ertragen, wenn sie wissen, was Arnd Henze ausführlich beweist: Eigentlich sind diese Trump – Leute erklärte Feinde der universell geltenden Menschenrechte? Sie sind, wie Henze treffend schreibt, „ohne moralische Maßstäbe“ (S. 161). Werden totale Selbstverleugnung und Schmeichelei gegenüber den angeblich allmächtigen Herrschern im Trump Regime zu Voraussetzungen für Menschen, die in den Demokratien Europas noch als Politiker handeln wollen? Sollten nicht auch demokratische Politiker wie Propheten der Demokratie zu Trump sagen, das was Bischöfin Mariann Edgar Budde direkt zu Trump in der „Washington National Cathedral „am 21.1.2025 betonte: „Haben Sie Erbarmen, Mr. President“ (S. 178).

Arnd Henze weist in seinem Buch ausführlich auf den Theologen Dietrich Bonhoeffer (1945 von den Nazis ermordet) hin, der – nach allen Mahnungen und Warnungen gegenüber einem Unrechtsregime – die Möglichkeit empfiehlt, diesem Unrechtsregime, so wörtlich, „in die Speichen zu greifen“, also diese Herrschaft zum Stehen – und damit vielleicht zum Verschwinden – zu bringen?

Was bedeutet diese kluge Erkenntnis Dietrich Bonhoeffers auch für Europa, auch für Deutschland, wenn Rechtsextreme immer deutlicher die Macht übernehmen wollen oder Politiker der rechten, sich christlich nennenden Parteien die Forderungen der Rechtsradikalen – etwa hinsichtlich der Flüchtlingspolitik – übernehmen, und mit dieser nachweislich erfolglosen Strategie keine Stimme etwa der AfD in die eigene Partei CDU/CSU ziehen.

Es wird oft – zumal in Deutschland – darüber diskutiert, ob man das Trump Regime faschistisch nennen darf oder nennen sollte. Arnd Henze argumentiert in der Frage differenziert.
Auch die Verwendung des Begriffs „Konzentrationslager“ für die entstehenden Massenunterbringungen von Guantanamo Bay bis Alligator Alcatraz muss neu überdacht werden und die KZs in Nazi – Deutschland haben nicht „die Ehre“ einzigartig zu sein“, auch darauf weist Henze hin und erinnert an die zehn USA „Relocation Center“ für Japaner im 2. Weltkrieg oder an die Lager in den afrikanischen Kolonien der Europäer usw…

Eine interessante Parallele: In den USA fordern und fördern die rechtsextremen evangelikalen Kreise die von ihnen geleiteten Privatschulen sowie auch den Unterricht zuhause bei den eigenenEltern, „außerhalb staatlicher Strukuen und Kontrolle“ (S. 76). Auch mit den Millionen – Spenden – Einnahmen der evangelikalen Mega-Churches ist es gelungen, „ein Parallelimperium christlich – nationalistischer Bildungseinrichtungen zu schaffen, wo inzwischen zwei Generationen rechter Kulturkämpfer ausgebildet wurden – eine weiße `Untergrundarmee christlicher Krieger`, wie es der heutige Verteidigungs- (und Kriegs-) Minister Pete Hegseth martialisch auf den Punkt bringt“: (Arnd Henze in „Publik -Forum, Nr. 11, Juni 2026, S. 14).
Die AfD in Sachsen – Anhalt fordert auch die Stärkung des Unterrichts der Kinder durch die Eltern (Mütter) zu Hause… Die AfD behauptet, öffentliche Schulen verhindern die optimale Leistungsfähigkeit. In den öffentlichen Schulen würden vor allem den Kindern “fragwürdige Lebensansichten“ vermittelt. Eine Position, die sich mit den Evangelikalen und Rechtsradikalen in den USA deckt. Die AfD übernimmt bereits inhaltlich Ideologien der nationalistisch – christlichen Trump – Regierung.

Arnd Henze, Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht.“ Gütersloher Verlagshaus, 2026, 2. Auflage 2026, 224 Seiten, 20 €. Mit QR-Codes wird auf weiterführende audiovisuelle Quellen verwiesen!

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer-Salon.de. in Berlin.

 

 

Katholische Rechte und Rechtsextreme gegen die Menschenrechte heute!

Ein Hinweis – mit einigen zentralen Erkenntnissen zum Thema – von Christian Modehn am 14 .Juni 2026

1.
Eindeutige Stellungnahmen zugunsten der universell geltenden Menschenrechte gibt es unter Katholiken und katholischen Organisationen nicht, auch heute nicht, im Jahr 2026.
Auch andere christliche Kirchen, andere Religionen, ignorieren die universell geltenden Menschenrechte. Von der „Entwicklung“ der russischen Orthodoxie unter Patriarch Kyrill I. zur PUTIN-Kirche wäre etwa zu sprechen, von den Evangelikalen in den USA als nationalistisch-christlicheStützen des Trump- Regimes usw.

Unser Thema aber ist:„Die Katholische Kirche und Menschenrechte“. Es folgen viele tausend Katholiken rechtsextremen Parteien überall in Europa und Amerika. Sie widersetzen sich der Ethik Jesu von Nazareth, der Ethik der Brüderlichkeit, Geschwisterlichkeit, sowie der vernünftigen Ethik der universell geltenden Menschenrechte.

2.
Der Umgang mit den Menschenrechten ist in der katholischen Kirchenführung zwiespältig bis heute:
Oft sind auch die Päpste in den letzten 70 Jahren in ihren politischen Statements – etwa auf Auslandsreisen – für die Menschenrechte eingetreten. Dabei aber wurde von ihnen die Erkenntnis beiseite geschoben: Der Papst – Staat „Vatikanstaat“/„Heiliger Stuhl“ hat die Erklärung der Menschenrechte von 1948 nicht unterzeichnet. Schlimmer noch: In der katholischen Kirche selbst gelten die Menschenrechte nicht: Umfassende Menschenrechte für Frauen („Gleichheit“) gibt es nicht. Homosexuelle werden im offiziellen Katechismus als Katholiken „2. Klasse“ bewertet. Ihnen wird deswegen eine angemessene feierliche Form der Segnung ihrer Partnerschaft oder Ehe in den Kirchen verweigert. In Afrika, etwa Uganda, Kenia, Ghana, Simbabwe usw. sind katholische Bischöfe alles andere als mutige Verteidiger der Menschenrechte für Homosexuelle gegenüber den autoritär regierenden schwulenfeindlichen Regierungen dort.
Der Katholizismus ist also in seiner Akzeptanz der universell geltenden Menschen gespalten, in der Theorie wie in der Praxis. Und weil das so ist, finden rechtsextreme Ideologien unter Katholiken immer wieder viele Anhänger und Sympathisanten.

3.
Die Katholische Kirche definiert sich selbst auch heute noch explizit als eine „nicht-demokratische“ Organisation: KatholikInnen werden von Gesetzen beherrscht, die von Klerikern erdacht wurden, sie sind nach wie vor bestimmend, trotz aller „verständnisvoller“ Debatten mit Laien. Die Theologie, die diese Herrschaft der Papstkirche zementiert, ist fundamentalistisch, ignorant gegenüber den wissenschaftlichen Forschungen der Bibelwissenschaften. Es ist in der Kirchenführung überhaupt nicht üblich, Bibelverse, die angeblich klerikale Herrschaft ausdrücken, kritisch, im historischem Kontext, richtig zu verstehen. Die Papstkirche glaubt, ohne Respekt zugunsten der theologischen und bibelwissenschaftlichen Forschung, herrschen zu können.

4.
Päpste nennen ihre Regierungsform selbst (naiv oder stolz?) eine „absolute Wahl – Monarchie“. Gewählt wird dieser Monarch, der Papst, von einer Gruppe von Männern, Kardinälen, die sich selbst permanent intern erneuern, einzig erwählt durch die Ernennung zu Kardinälen durch den Papst. Diese Monarchie ist ein stetiger, sich selbst aus sich selbst erneuernder klerikaler Kreislauf. Und dies sei von Gott persönlich so gewollt, sagen diese Herren…
Die Auswirkungen, die Konsequenzen dieser „absoluten Wahlmonarchie“ in einem demokratisch bestimmten Europa, fördern nur den Niedergang der Kirche: In Europa verlassen Katholiken zu hunderttausenden jährlich diese Kirche,: Diese Kirche erscheint ihnen völlig fremd in einer – noch zu verteidigenden – demokratischen Kultur, und sie ist oft stolz darauf! Den zahlenmäßig stets dokumentierten Niedergang der Kirche in Europa kennen die Päpste, aber sie entscheiden sich als Antwort darauf nicht für die grundlegende Reformation der Kirche. Die Kleriker suchen etwas Trost in den 10.000 oder 15.000 Erwachsenentaufen pro Jahr, etwa in Frankreich, sie ignorieren aber, dass dies nur eine geringe Anzahl ist verglichen mit dem Trend, dass viele Tausend in ganz Europa aus der Kirche „austreten“…

5.
Einige wichtige empirische, soziologische Tendenzen:
Theologisch ultra – konservative Rechtsextreme und ihre Organisationen versuchen die Kirche ihres jeweiligen Landes und darüber hinaus zu bestimmen, mit ihrem Geld, Einfluss und ihrer internationalen Vernetzung.
Das Problem für die Kirche und die Kirchenführung ist: Diese Katholiken so sehr sie sich als katholisch nach außen hin brüsten, widersetzen sich den Weisungen der Bischöfe.
Die „Oberhirten“ müssen pflichtbewusst – seit dem 2. Vatikanischen Konzil – in ihren politischen Erklärungen nach außen hin die Menschenrechte öffentlich verteidigen. Reaktionäre Katholiken lassen sich davon nicht beeindrucken.

5.1. FRANKREICH
Wichtig ist der Milliardär und Medienmogul Vincent Bolloré, über den wir im Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salon schon berichteten: LINK.

Das „Institut du Bon Pasteur“ , „Institut vom Guten Hirten“, (Zentrale in Bordeaux), ist eine traditionalistische Priestergemeinschaft, die sich aber nach Verhandlungen mit Ratzinger/Benedikt XVI. bereit fand, den Papst als obersten Chef anzuerkennen. Ihre traditionalistische Theologie verbreiten sie also weiter. „Der Gute Hirte“ hat ca. 70 Mitglieder, Tendenz steigend.
Das „Institut Christ Roi Souverain Prêtre“ hat da 150 Mitglieder, Tendenz steigend, international verbreitet, auch in Deutschland. LINK 

Es ist typisch für die religionspolitische Situation des Katholizismus in Frankreich: Es gibt zahlreiche Gruppen und Gemeinschaften, die sich als absolut papsttreu definieren, aber tatsächlich eine starke Neigung zu politisch identitären Ideen und Parteien haben. Es handelt sich sozusagen um die Grauzone zwischen papsttreu und sehr rechtslastig, rechtsextrem. Dazu zählen kritische, also nich von der Kirche abhängige Beobachter die zahlenmäßig stest wachsende Gemeinscaft St. Martin. Wikipedia France schreibt u.a.: „Zusammen mit den Charismatikern bilden die restitutivistischen (also „zum alten Zustand der Kirche zurück“) Gruppen (Opus Dei, Gemeinschaft Saint-Martin, Gemeinschaft Saint-Jean, Legionäre Christi, Foyers de Charité) laut der Politikwissenschaftlerin Magali Della Sudda die Netzwerke des „Identitätskatholizismus“ , wobei die „Identitätskatholiken“ als diejenigen definiert werden, die „die Kirche in ihrem traditionellen Status als Wegweiser für die Gesellschaft“ wiederherstellen wollen.“ (https://fr.wikipedia.org/wiki/Communaut%C3%A9_Saint-Martin, gelesen am 18.6.2026, Übersetzung des französischen Textes durch deepl.)

Wer die traditionalistische katholische Welt verstehen will, muss sich mit der Lefèbvre -Bewegung befassen, geführt von der „Priesterbruderschaft Sankt Pius X.“ :

Die Pius Brüder und deren Gemeinden weltweit folgen der Lehre des schismatischen Erzbischofs Marcel Lefèbvre. Für ihn ist die Ablehnung der Menschenrechte Mittelpunkt der Theologie, (Fußnote 1) und keineswegs nur, wie oft behauptet wird, ist es die Feier der lateinischen Messe in der Form des 16. Jahrhunderts..

Der Widerstand gegen die Menschenrechte, speziell gegen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit, ist bis heute der Kampfplatz der Piusbrüder. Sie sind gegen die Anerkennung und Entwicklung der Rechte für (sexuelle) Minderheiten, gegen die Selbstbestimmung der Frauen, gegen die Integration und Gleichberechtigung von Flüchtlingen und Ausländern. Die Menschenrechte werden von der heutigen Leitung der Bruderschaft, etwa dem Generaloberen Davide Pagliarani, „als Ablenkung von der eigentlichen geistlichen Mission der Kirche“ abgelehnt.

Zur Erinnerung: Die Zurückweisung der Menschenrechte hat der Initiator dieser reaktionär katholischen Sonderkirche, Erzbischof Marcel Lefèbvre, mehrfach deutlich formuliert: Etwa in seinem Brief an Papst Johannes Paul II. vom 31. 8.1985 (Fußnote 3). Lefèbvre betont, es gebe ein göttliches Gesetz, das die Menschen zwinge (sic), dem katholischen Glauben anzugehören, freier Religionswahl widerspreche dem göttlichen Gebot. Das Gottesbild ist bezeichnend: Gott ZWINGT, so Lefèbvre, mit seinen Gesetzen….Lefèbvre formuliert seine Kritik: „Die Erklärung über die Religionsfreiheit des 2. Vatikanischen Konzils (1962-1965) räumt dem Menschen ein natürliches Recht ein, frei zu sein von dem ZWANG, den ihm das göttliche Recht auferlegt, dem katholischen Glauben anzugehören, um gerettet zu werden, also einem Zwang, der notwendig auch in den kirchlichen und weltlichen Gesetzen seinen Ausdruck findet, diese Gesetze sind der gesetzgeberischen Gewalt Unseres Herrn Jesus Christus unterworfen.“
Beim 2. Vatikanischen Konzil sammelt Lefèvre ca 70 Konzilsteilnehmer, Bischöfe, zu einem reaktionär – oppositionellen Arbeitskreis: Fußnote 2.

Dass die heutige Kirche nun alle Menschen von dem ZWANG befreit, unbedingt katholisch zu werden, also auf die freie Religionswahl zu verzichten, ist für Lefèbvre die Ursünde der Kirche des 20.Jahrhunderts. Er kann die Konzilserklärung „Über die Religionsfreiheit“ nur „eine gottlose und gotteslästerliche Erklärung“ nennen.
Die für Religionsfreiheit eintretende Erklärung der Kirche von 1965 sei, eine Art „vergiftete Quelle, um den erklärten Feinden der Kirche, um den Häretikern, den Schismatikern, den falschen Religionen und den erklärten Feinden der Kirche, wie den Juden, den Kommunisten und den Freimaurern willfährig zu sein.“ (S 278.)

Man vergesse nicht: Die Ablehnung der Menschenrechte ist bei Lefebvre und den Seinen stets explizit politisch motiviert. Diese Kreise – in Frankreich sind es über 100.000 Sympathisanten- unterstützen – theologisch indoktriniert – die rechtsradikalen Parteien, etwa in Frankreich die Le Pen Partei, jetzt RN, oder Reconquete…
Inzwischen gilt für die offizielle römische Kirche Marcel Lefèbvre als „Schismatiker“: Und zwar seit 1988, als er die unerlaubte Weihe von vier Pius- Brüder-Priestern zu Bischöfen vornahm. Dem katholischen Kirchenrecht entsprechend muss der Papst diese unerlaubte Weihe aber als gültig anerkennen: Das heißt, die Schismatiker machen sich unerlaubt aber gültig in der offiziellen Kirche breit…

Und nun werden diese Bischöfe, erneut eigenmächtig und unerlaubt, vier ihrer Priester zu Bischöfen weihen. Am 1.7. 2026 wird in Econe, Schweiz, dieser Akt geschehen, der automatisch die Exkommunikation vonseiten des Papstes nach sich zieht. Durch diese Bischofsweihe will diese reaktionär-katholische Kirche ihr kirchenrechtliches Überleben sichern: Denn ohne gültig geweihte Bischöfe kann es keine sich katholisch nennende Kirche geben, und darauf legen dien Piusbrüder allen Wert.

5.2. POLEN:
Mehrere Organisationen verbinden katholischen Glauben mit heftigem Nationalismus und der Ablehnung der universell geltenden Menschenrechte:

„Młodzież Wszechpolska“ („Allpolnische Jugend“). Die „Allpolnische Jugend“ ist eine nationale katholische Organisation, sie sieht in ihrem Gott den höchsten universellen Wert, der eine zentrale politische Bedeutung hat. „Diese Organisation unterstützt den Aufbau des katholischen Staates der polnischen Nation, der zu einer Säule der lateinischen Zivilisation werden soll. Die Nation, eine Gemeinschaft aus Glauben, Geschichte, Kultur, Land, Sprache und Bräuchen, wird von der Allpolnischen Jugend als der höchste zeitliche Wert anerkannt.“  LINK. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Allpolnische_Jugend

„Ordo Iuris“ ist eine ultrakonservative katholische juristische Organisation: Siehe den wikipedia Beitrag: LINK https://en.wikipedia.org/wiki/Ordo_Iuris.
Die Stiftung „Ordo Iuris“,“Rechtsordnung“, wurde 2013 gegründet, leistet Lobbyarbeit für traditionell katholische Ziele. Sie unterstützt Abtreibungsgegner und will die Ehe – und Familienpolitik bestimmen. Dabei versucht sie, Einfluss auf Behörden und Politik zu nehmen und ihre fundamentalistische Weltanschauung im Gesetz zu verankern.“ (Quelle: MDR, 7.3.2023).

Radio Maryja, das rechtsextrem nationalistische z. T. Antisemitsche – katholische Mediennetzwerk in Torun. Darüber haben wir mehrfach berichtet. LINK

5.3. ITALIEN:
Etwa 70 Prozent der ItalienerInnen nennen sich katholisch. Rechtsextreme Katholiken sammeln sich vor allem in den entsprechenden Parteien, die die universell geltenden Menschenrechte theoretisch wie praktisch ablehnen.

Die „Lega“: Matteo Salvini hat als Chef dieser einstigen Regionalpartei diese „Lega“ zu einer rechtspopulistischen und nationalistischen Kraft umgewandelt. Sie will die „christliche Identität“ Europas verteidigen — gegen den Islam und gegen die Flüchtlinge.……Bei der letzten italienischen Parlamentswahl (September 2022) erhielt die „Lega“ landesweit 8,77 Prozent der Stimmen.

Die „Fratelli d’Italia (FdI)“: Die Partei von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni; sie ist eine bekennende Katholikin mit nationalkonservativer Leidenschaft. Auch diese Partei betont – wie überall innrechtsextremen Kreisen üblich – den Schutz de traditionellen Familie, d.h. sie fördert die Bekämpfung der Abtreibung und will insgesamt die Verteidigung der so genannten christlichen Kultur.
„Gott, Familie, Vaterland“ ist das Motto der Partei, es galt bereits bereits für den Faschisten Mussolini und seine Partei. Bei den Parlamentswahlen 2022 erhielt die „Fratelli d Italien“ 26 % der Stimmen. Wegen der Familienpolitik und der Pro-Life-Bindung dieser Partei findet sie viel Zuspruch unter praktizierenden Katholiken. Praktizierende Katholiken haben viel zum Wahlsieg Melonies beigetragen: Quelle: https://it.finance.yahoo.com/notizie/lavoratori-autonomi-e-cattolici-portano-165706305.html)

5.4. PORTUGAL:
Die inzwischen sehr bedeutende rechtsextreme Partei in Portugal, mit der sich sehr viele Katholiken verbunden fühlen heißt „Chega!“ ( „Es reicht!“)
Chega! ist im Parlament fest etabliert als drittstärkste Partei. Bei den Präsidentschaftswahlen 2026 erhielt der Parteiführer André Ventura 33,3 Prozent der Stimmen. Parteichef Ventura hat katholische Theologie im Priesterseminar on Lissabon studiert, er hat das Theologiestudium abgebrochen… katholisch nennt er sich öffentlich immer noch. Er behauptet, von Gott zu seiner „politischen Mission“ berufen zu sein

5.5. SPANIEN:

In einem Interview erklärt Maria San Gil, stellvertretende Generalsekretärin des katholischen Laienverbandes `Asociacion Catolica de Propagandistas`, (Quelle: „Die Tagespost“, 5. 6.2026, S. 7.): „Man muss das Thema Einwanderung richtig einordnen. Unsere erste Verantwortung, das sagt auch der Katechismus, besteht darin, für die Unserer zu sorgen und unsere Familien zu unterstützen. Danach müssen wir uns selbstverständlich auch um den fremden kümmern. Aber zuerst müssen wir das Eigene schützen und stärken“. Bekenntnisse, die man aus Kreisen der identitären Bewegung kennt.
Die katholische „Propagandistin“ ist Mitglied der Partei PP, der konservativen Nachfolgepartei des faschistischen Staatschefs Franco. Die „Propagandistin“ vertritt mit ihrer Bevorzugung: „Zuerst kommen die eigenen Leute, also die Spanier“, letztlich auch die Überzeugung der neuen rechtsradikalen Partei VOX. Diese Partei hat viel Erfolg, zumal unter „praktizierenden Katholiken“. Etwa 20 Prozent der so genannten praktizierenden Katholiken wählten VOX. Die zentrale Ideologie von VOX: Spanier müssen bei der Vergabe von Sozialleistungen grundsätzlich bevorzugt werden….Die spanischen Bischöfe haben dem widersprochen..

6.
Wichtig ist: Diese Ideologien der sich katholisch nennenden Organisationen sind de facto mit der Ideologie der Identitären – Bewegung verbunden. Der Philosoph Micha Brumlik hat 2019 in einem Aufsatz die zentrale Aussage des führenden „Identitären“ Walter Spatz zitiert: `Der Sammelbegriff Mensch ist in seiner identitätären Bedeutsamkeit nur für die jeweilige Völker angebracht. Einen weltweiten An – und Zuspruch gibt es nicht. Dieser ist letztlich Ausdruck der Machenschaft einer abstrahierten Identität, die uns vom Eigenen trennt`“. (Das Zitat: „Gelassen in den Widerstand – Ein Gespräch über Heidegger“, Schnellroda 2015, S. 51. Das Zitat von Brumlik in „Das alte Denken der neuen Rechten“, 2019, S. 36).

7.
Ein Hinweis auch zu den USA. Der katholische us-amerikanische Vizepräsident J.D. Vance hat seine eigene, ihm politisch passende Deutung der universell geltenden Menschenrechte. Er meint: Das Evangelium befehle, zuerst die eigene Familie zu lieben, danach die Nachbarn, dann das eigene (weiß, us-amerikanische ) Volk und zum Schluß auch noch die anderen, die übrige Menschheit, also etwa die Fremden, Ausländer, Flüchtlinge. Sie verdienen am wenigsten „Liebe“. LINK : https://www.ewtnnews.com/world/us/what-is-the-ordo-amoris-jd-vances-comments-on-christian-love-spark-debate. Siehe auch Fußnote 4.

Zur Kritik an Vance durch Papst Franziskus LINK https://katholisch.de/artikel/59458-papst-schreibt-brandbrief-an-us-bischoefe-zu-trumps-deportationspolitik
Zur Kritik an Vance durch Papst Leo LINK. https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-05/papst-leo-kritik-donald-trump-jd-vance-migration

Beide Päpste haben dieser nationalistischen Interpretation des christlichen Aufforderung zu universell geltender Nächstenliebe widersprochen. Aber ohne Erfolg: Die MAGA Bewegung, zu der auch viele Katholiken gehören, rückt nicht ab von ihrer Ideologie eines menschenrechtsfeindlichen, sich christlich nennenden Nationalismus. LINK https://religionnews.com/2024/04/03/the-strange-world-of-catholic-christian-nationalism/

Zur ideologischen Trump – Bindung der katholischen Bischöfe der USA betont die katholische Theologin Prof. Hille Baker, Loyola University in Chicago: „Falls Trump durchregiert und freie Wahlen verhindern will, werden zwei Drittel der Bischofskonferenz still sein. Aber es gibt Bewegung unter den Bischöfen, die Papst Franziskus eingesetzt hat.“ (Publik Forum,  12. Juni 2026,.S. 18).

Von großer politischer Bedeutung sind einige katholische Intellektuelle:
Bei Gladden Pappin, Politikwissenschaftler und Publizist, wird die Ideologie des katholischen Integralismus sichtbar: Diese Lehre wird von etlichen konservativen Intellektuellen und rechtsextremen katholischen Organisationen vertreten: Danach soll die Kirche auch die Politik bestimmen, also die Organisation des Staates und seine Gesetze.
Die Ideologie von Pappin wird von der Theologin Michaela Quast-Neulinger Kommentiert: „Als eine Gefahr für Demokratie und Kirche hat die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger den Integralismus bezeichnet. Dieser stelle eine „Machtideologie“ dar, die darauf ziele, die Gesamtheit des öffentlichen und privaten Lebens der katholischen Kirche zu unterwerfen. Damit stelle der Integralismus eine Spielart einer Politischen Theologie mit einer religiös-totalitären Stoßrichtung dar, führte Quast-Neulinger in Wien aus. Der Integralismus stehe in einem „massiven Widerspruch zur Gesamtheit der katholischen Lehre“ und stelle eine „antimodernistische Machtideologie“ dar, „die sich eine eigene Version des wahren katholischen Glaubens zurechtzimmert, um auf dieser Grundlage dann ein totalitäres Regime zu errichten“. (Quelle: LINK https://katholisch.de/artikel/67474-theologin-warnt-vor-gefahr-des-integralismuMichaela Quast-Neulinger)

Weitere katholische extrem rechte katholische Intellektuelle:
– Patrick Deneen, Professor an der University of Notre Dame
– Chad Pecknold: Theologieprofessor an der Catholic University of America in Washington, D.C
– Adrian Vermeule: Professor an der Harvard Law School.

Wichtig ist auch die von Katholiken geprägte „Heritage Foundation“, 1973 von Paul Weyrich gegründet, jetzt unter Leitung von Kevin Roberts, dem Opus Dei verbunden. Wichtig auch das vom Millionär Tim Busch zusammen mit dem Jesuiten Robert J. Spitzer 2011 gegründete NAPA-Institut
Ebenso: Die juristische Vereinigung `Federalist Society´, gegründet vom katholischen Juristen Leonard Leo: Er hat großen Einfluss, etwa zur Ernennung von Richtern auf Lebenszeit. Etwa 30 Prozent der von Trump ernannten Richterinnen und Richter und die Wahl von drei Obersten Verfassungsrichtern gehen auf die Vorschläge dieser ´Federalist Society´ zurück. Leonhard Leo ist auch mit dem Opus Dei verbunden, er gehört zum Vorstand des ´Catholic Information Center´ vom Opus Dei in Washington.

8.
Unser Thema „Katholische Rechte und Rechtsextreme gegen die Menschenrechte“ ist alles andere als ein „nur“ theologisches Problem. Es ist von größter politischer Relevanz, zumal diese Rechtsextremen ihre Ideologie auch politisch nicht nur in Europa und Amerika durchsetzen.
Diese Ideologie hat inzwischen eine solche Macht, dass demokratische Politiker und etliche ihrer Parteien die von Rechtsextremen propagierte Bedrohung der angeblich christlichen Kultur Europas durch Flüchtlinge übernehmen. Die entsprechenden Entscheidungen im EU Parlament im Juni 2026 geschahen in enger Zusammenarbeit von Rechtsextrem und sich christlich nennenden Parteien…Es gilt das „Gemeinsame Europäische Asylsystem“ GEAS, eine fundamentaleUmwälzung des Schutzsystems.

Die EU und ihre rechten und christlichen Parteien vor allem bauen nun Europa zu einer Festung aus: „Sich abschotten“ ist das zentrale Slogan, Sich abschotten gegen Fremde und Flüchtlinge.

Fußnote 1:
Man beachte, bei allem Respekt vor der viel zu späten Anerkennung der Menschenrechte durch das Konzil: Im Konzilsdekret von 1965 heißt es gleich zu Beginn, in §1, offenbar um die vielen katholischen reaktionären und konservativen Kreise etwas zu beruhigen: „Die einzige wahre Religion, so glauben wir Konzilsväter, ist verwirklicht in der katholischen, apostolischen Kirche, die von Jesus dem Herrn den Auftrag erhalten hat, sie unter allen Menschen zu verbreiten“. Da wird also gleich zu Beginn, wie mit einem Paukenschlag, die vernünftige Aussage zur Religionsfreiheit wieder durch die alte, klassische Theologie relativiert.

Fußnote 2:
Lefebvre und sein Netzwerk:
Das Netzwerk der reaktionären Bischöfe nannte sich „Coetus Internationales Patrum“ (Internationaler Zusammenschluss der Väter), es hatte tatsächlich etwa 250 Mitglieder unter den bischöflichen Konzilsteilnehmern. Neben Erzbischof Marcel Lefebvre (CSSp) die Kardinäle Michael Browne (OP), Arcadio Larraona Saralegui, Antônio de Castro Mayer, Antonio Bacci sowie den brasilianischen Erzbischof Geraldo de Proença Sigaud (SVD) aus Diamantina. Sigaud nutzte seine Kontakte zu konservativen Gruppen wie der brasilianischen Organisation Tradition, Familie, Privateigentum (TFP) und US-amerikanischen Netzwerken, um einen scharfen Kurs gegen den Kommunismus auf dem Konzil einzufordern. Er war einer der heftigsten Feindes des Befreiungstheologen und Erzbischofs Dom Helfer Camara. Sigaud nutzte dabei seine Kontakte zu konservativen Gruppen wie der brasilianischen Organisation Tradition, Familie, Privateigentum (TFP) und US-amerikanischen Netzwerken…

Fußnote 3:
Marcel Lefèbvre: „Offener Brief an die ratlosen Katholiken“, 1986, Mediatrix – Verlag, Wien, S. 278.
Siehe auch zur Ablehnung der Religionsfreiheit durch Lefebvre: LINK.  https://fsspx.org/en/religious-liberty-contradicts-tradition-30142

Fußnote 4:
Zu Vance und dessen Papstkritik: LINK
https://katholisch.de/artikel/59858-bei-gebetsfruehstueck-us-vize-vance-kontert-papst-kritik-zu-migration

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon in Berlin

Halbe Wahrheiten im offiziell – katholischen Journalismus: Zu Prof. Hans Maier (CSU)

Lobeshymen auf den verstorbenen führenden „Vorbild-Katholiken“ Prof. Hans Maier (CSU)
Ein Hinweis von Christian Modehn am 9.6.2026

Ergänzung am 17.6.2026: Auch bei der Trauerfeier für Hans Maier am 17.6. 2026 wurde von der Präsidentin  des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ,Dr. Irme Stetter-Karp, erneut nur die halbe Wahrheit über Hans Maier verbreitet. Dr. Irme Stetter-Karp lobte Hans Maier als „Brückenbauer“, sie zitierte aus dessen Buch aus dem Jahre 2006 (!)  mit dem Titel „Keine Demokratie?“: „Die katholische Kirche muss demokratische Wege gehen, auch wenn sie selbst keine Demokratie ist“, so Maier. Dass die katholische Kirche offenbar niemals Demokratie sein kann, war für Maier selbstverständlich. Insofern war er ein dogmatisch – der Hierarchie getreuer Katholik. Er jonglierte dann im Alter „mutig“ mit „etwas Demokratie kann die Kirche doch sein“ hin und her, wie heute der „Snyodale Prozess“…

In seiner Funktion als oberster katholischer Laie hat Maier jedenfalls beim Katholikentag in Berlin 1980 de facto keine Brücken gebaut zu den vielen jungen, kritischen Katholiken beim „Katholikentag von unten“, sondern diesen Aufbruch verurteilt. Er war ein treuer Gefolgsmann der insgesamt damals sehr konservativen Hierarchie in Deutschland. Die Rede von Dr. Irme Stetter-Karp am 17.6.2026. LINK

Nebenbei: Das alte Sprichwort „de mortuis nihil nisi bene“ heißt ja NICHT: „Von den Toten sollte nur Gutes gesagt werden“, SONDERN: „Von Toten sollte nur gut, in guter Form, also der Wahrtheit verpflichtet, gesprochen werden.“ „Bene“ ist bekanntlich ein Adverb, kein Substantiv.

…………

Am 9.6.2026:

1.
Was er alles doch alles leistete, der am 8. Juni 2026 im Alter von 94 Jahren in München verstorbene Prof.Hans Maier (CSU): Er war erstens Professor für Politische Wissenschaften, dann zweitens Kulturminister im Freistaat Bayern, dann drittens begeisterter Organist und viertens auch führender (selbstverständlich „praktizierender“) Katholik in Deutschland, vor allem in seiner Funktion als Präsident des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ (ZdK) von 1976 bis 1988.

2.
Das heutige ZdK hat am 9. Juni 2026 seine Trauer als eine Lobeshymne auf ihren einstigen ZdK Präsidenten Hans Maier veröffentlicht unter dem Titel: „Gesicht des politischen Katholizismus“. Und bei dem Titel bringt das ZdK das Kunststück fertig, die Bindung Maiers an die CSU (seine Karriere verdankt er Franz Josef Strauß) überhaupt nicht zu erwähnen.

3.
Etwas moderat kirchenkritisch, also kritisch gegenüber der Hierarchie und ihren Entscheidungen, wurde Hans Maier erst nach seiner Pensionierung und der Beendigung seiner Tätigkeit als ZdK Präsident. Das ist der so genannte Mut der alten Herren: die Karriere ist ja gut gelaufen, kann nichts mehr „passieren“, die Pension ist sicher, da kann man ein bißchen kritisch werden…

4.
Wir haben uns also die Mühe gemacht und den Lobeshymnen – Nachruf auf Hans Maier gelesen. Und sind über die Einseitigkeiten dieses offiziellen Journalismus wieder einmal verstört.
Und wir müssen nun die vergessenen, in unserer Sicht alles andere als erfreulichen Aspekte Maiers in aller Kürze nennen. Dafür nur einige zentrale Beispiele:

5.
1979 hatte sich der Theologe Johann Baptist Metz (Uni Münster) auf den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie an der Münchner Universität beworben: Metz galt als links! Das ist das Grundübel in Bayern und für das CSU Mitglied Hans Maier. In bestem Einvernehmen mit dem damaligen Erzbischof von München, Joseph Ratzinger, wurde Metz selbstverständlich auch vom zuständigen Kulturminister Hans Maier (CSU) abgelehnt. Statt dessen wurde der als politisch zuverlässig geltende, eigentlich völlig unprofilierte Passauer Theologe Heinz Döring berufen. Diese Affäre bewegte damals die BRD, „Der Spiegel“ berichtete ausführlich, etwa auch über die Treue des Kulturministers gegenüber der Amtskirche: „So hievte der Minister (Maier) im März 1977 den Mainzer Professor Lothar Bossle, damals Soziologe und Politologe an der Pädagogischen Hochschule Lörrach, mit Amtsgewalt auf den Würzburger Lehrstuhl für allgemeine Soziologie – gegen die Voten des Senats, des Berufungsausschusses und des Fachbereichsrates der Universität, die Bossle für zu rechtslastig und zu wenig qualifiziert hielten.“ Quelle: Spiegel vom 6.1.1980, ein Beitrag, dessen Lektüre ich allen ZdK Mitgliedern empfehle, um nicht später wieder Totengedenken mit Lobeshymnen zu verwechseln.LINK

6.
Der Autor dieser Zeilen erinnert sich als betroffener Journalist an die üble Rolle Hans Maiers als Chef des Katholikentages in West – Berlin vom 4. bis 8. Juni 1980; zu der Zeit war schon Joachim Meisner Bischof in Berlin (mit Sitz in Ost-Berlin, aber mit häufiger Besuchsmöglichkeit in West – Berlin).

7.
Die Lobeshymne des ZdK auf Hans Maier vergißt die heftige Feindschaft Maiers beim Berliner Katholikentag gegen die damals frisch entstandene amtskirchen – kritische Initiative „Kirche von unten“. Sie wollte ihre Veranstaltungen inmitten des offiziellen Katholikentages anbieten, aber Pluralität oder gar Kritik waren nicht erwünscht, es ging um die ewige, bis heute viel beschworenen „Einheit“ aller Katholiken unter der Herrschaft der Bischöfe und des Papstes… so musste der Katholikentag von unten wegen der Intoleranz Maiers auf evangelische Gemeindehäuser ausweichen. Noch einmal: Danke für diese protestantische Gastfreundschaft!

Maier nannte die bundesdeutsche Initiative „Kirche von unten“ verächtlich eine Splittergruppe…Der journalistische, nicht Kirchen-abhängige Bericht über den Berliner Katholikentag wurde im SFB für die ARD im 1. Programm ausgestrahlt, an dem Film war ich als Autor direkt beteiligt. Die Tatsache, dass wir uns die journalistische Freiheit nahmen, auch und wegen des Neuigkeitswertes über den Katholikentag von unten zu berichten, weckte eine Flut von polemischen und häßlichen Stellungnahmen der konservativen Katholiken und ihrer Medien. Kein Bischof, kein ZdK Mitglied solidarisierte sich mit den Autoren und dem verantwortlichen Redakteur im SFB Johannes Huthmann; selbst Familienangehörige besaßen die Unfreudlichkeit, sich von einem Autor des Films öffentlich schriftlich zu distanzieren.
Walter Jens war objektiv und hatte Verständnis für die kritische Berichterstattung, er schrieb am 13. Juni 1980 einen entsprechenden Beitrag in „DIE ZEIT“ unter dem Pseudonym momos. Ein Zitat: „Jens lobte ausdrücklich, dass die ARD (SFB) die Bilanz des Katholikentages nicht „von den Kardinälen und Funktionären des Zentralkomitees, den großen Meistern jener zugleich ein- und vieldeutigen Kommuniqués, sondern von Teilnehmern ohne großen Rang und glanzvolle Namen gezogen wurde. Eine Bilanz von unten, ein Bilanz im Zeichen der Religion Christi, nicht der christlichen Religion“. Dann weist Walter Jens auf einen Zwiespalt im Katholikentag hin: „Wurde auf der einen Seite (im Film, CM) die Praktik der Oberen getadelt, sich nach außen hin offen zu geben, um nach innen rigoros abzuschotten- nur nicht zu viel Ökumene usw. – so sah sich auf der anderen Seite der gemachte, geplante professionell inszenierte Jugend Rummel attackiert…“. Walter Jens weist außerdem eindringlich darauf hin, wie vom offiziellen Katholikentag jegliches Gespräch mit Homosexuellen zurückgewiesen wurde, während es entsprechende Gespräche und Veranstaltungen auf dem „Katholikentag von unten“ selbstverständlich gab: Dank der evangelischen Freiheit protestantischer Gemeinden.“ (Quelle, mein Hinweis zu Walter Jens, 2013: LINK)

Die kritische Zeitschrift PUBLIK – Forum hat ausführlich über den „Katholikentag von unten“ in Berlin berichtet.

Nebenbei: Beim Berliner Katholikentag 1980 gab es noch 75.000 Dauerteilnehmer“. 2026, beim Katholikentag in Würzburg, wurden nur 34.000 Tickets verkauft, offenbar für Dauerteilnehmer. Diese Zahlen zeigen: Die eher klerikal beherrschte Form des Katholikentags hat sich offenbar nicht bewährt…Katholiken verabschieden sich von ihrer Kirche zu vielen tausend. Und die Bischöfe haben darauf keine Antwort, sinnieren über die „zunehmende Säkularisierung“…

8.
Es war natürlich Bischof Meisner von Berlin, der extrem empört war, dass vor allem junge Katholiken eigene theologische Meinungen haben, die sich auch gegen die Hierarchie richten. Solche Rebellion war der aus der DDR stammende, bekanntlich dann auch als Erzbischof von Köln bornierte Joachim Meisner weder im DDR Staat noch in der streng klerikalen Katholischen Kirche der DDR nicht gewöhnt.

Und der ZdK Präsident Hans Maier folgte als katholischer Laie treu auch diesem Oberhirten. Das ZdK (und seine Katholikentage) war also immer eine bischöflich bestimmte und kontrollierte Organisation, die Freiheit der Laien, die Pluralizäz im Glauben, gab es nicht.

9.
Wir haben uns die Mühe gemacht, noch einmal zu zeigen, wie befangen – „positiv“ offizieller katholischer Journalismus auch heute noch ist, das heißt: wie sehr nur die halbe Wahrheit veröffentlicht wird.

Dass die offizielle katholische Presse, etwa die so genannten „Bistumszeitungen“, heute nur noch sehr minimale Auflagen haben und in ca. 10 Jahren sicher verschwunden sein werden, hängt sicher mit dieser Ursünde des katholischen Journalismus zusammen: Nur die halbe Wahrheit zu sagen. Die ZDK Leute denken: Die ganze Wahrheit könnte das Image der Kirche schädigen… Aber das Gegenteil ist der Fall. Wie würde ein ZdK Bericht über Hans Maier aussehen, der deutlich zeigt: Dieser Hans Maier war ls ZdK Präsident ein den Bischöfe ergebener, treu-gehorsamer und von der CSU abhängiger Laie. Auf diese Weise glaubte er große Karriere machen zu können. Und … als alter Herr mit einer dicken Pension wurde er dann ein bißchen mutig.

Ich denke, eine kritische, gebildete Öffentlichkeit würde diesen Mut zur Wahrheit hoch honorieren: „Guck mal, das ZdK und die katholische Presse können auch selbstkritisch sein und versuchen, die ganze Wahrheit zu sagen…“

10.

Ergänzung am 15.6.2026 zum Erfolg des Katholikentages von unten in Berlin 1980:

„Der Erfolg des Berliner Katholikentages von unten (rund 50 000 Teilnehmer) beflügelte die Gegenkatholiken, die innerkirchliche Opposition organisatorisch zu verklammern. Sie gründeten im September 1980 die IKvu, die auch jetzt noch Zulauf hat, vornehmlich von Jungen, Linken und Bunten. Der Theologe Prof. Professor Greinacher führt das darauf zurück, die Mitglieder der Kirche von unten hätten »schockartig erkannt«, daß es »für die Kirche vielleicht schon fünf nach zwölf« sei. Der Exodus vor allem junger Katholiken habe ein für die Kirche vernichtendes Ausmaß angenommen – nach einer repräsentativen Umfrage besuchten 1963 noch 52 Prozent junger Katholiken zwischen 16 und 29 Jahren regelmäßig den Sonntagsgottesdienst; 1980 waren es nur noch 16 Prozent. Greinacher: »Ganze Generationen sind damit für die Kirche verloren.« (Quelle: https://www.spiegel.de/politik/vierter-anlauf-a-c59c0dc7-0002-0001-0000-000014349583)

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Aktualisiert am 17. Juni 2026 durch CM

Warum macht kein kritischer, begabter Filmemacher einen großen Spielfilm: „Deutschland im Jahr 2030?“

Die 30. unserer unerhörten Fragen
Von Christian Modehn am 4.6.2026

Eine kurze Erläuterung:

Angesichts der leider unübersehbaren Zunahme der Bedeutung und damit der bevorstehenden Herrschaft rechtsradikaler Parteien in Europa, vor allem der AFD in Deutschland, wäre es eine heilsame Erfahrung für ein Millionenpublikum von Kino-Besuchern und TV -Zuschauern: Die leider ziemlich sicher bevorstehende Zukunft Deutschland in einem Spielfilm zu erzählen:
Also: Die Herrschaft der neuen Nazis.
Sozusagen als vernünftige, aber im Erzählen anhand konkreter Personen drastische Abschreckung.

Dieser Film über die leider (möglicherweise) bevorstehende Herrschaft der Rechtsradikalen und Extrem – Populisten in Deutschland könnte vielleicht noch helfen, Schlimmstes zu verhindern oder inmitten der Herrschaft der Rechtsradikalen vernünftigen demokratischen Widerstand zu organisieren…
Ein solcher auf die nahe Zukunft Deutschlands und Europas (von den USA ganz zu schweigen) gerichteter Spiel – Film ist unserer Meinung genauso wertvoll wie die permanente Erinnerung an die vergangene Nazi – Herrschaft. Ein solches auf die Zukunft bezogenes Film Projekt weckt politischen Einsatz und Widerstand.

Es geht mit dem Mitteln eines Kino – Films – oder einer Serie im Fernsehen der ARD oder des ZDF – um die emotionale wie vernünftig berührende – wirksame Warnung vor Nazi – Herrschaft jetzt – im Vorgriff, was diese Herrschaft denn bedeuten würde.
Selbstverständlich müssten auch die Politiker und Gruppen, Politiker auch der demokratischen Parteien, ins Spiel gebracht werden, die schon jetzt, 2026, in Berlin oder Brüssel, die Sache der Rechtsextremen direkt oder indirekt, unbewusst oder bewusst, vorantreiben..

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

 

Die „heilige Familie“: Ein katholischer Kult, eine katholische Ideologie

Ein Hinweis,  anläßlich der Reise Papst Leos nach Barcelona
Von Christian Modehn

Es gibt religionsphilosophisch Dringenderes als diese ewigen religionskritischen Hinweise. Aber die Papst Gestalt als weltpolitischer Akteur zwingt uns leider zu dieser Auseinandersetzung, die in anderen Medien oft sehr moderat und diplomatisch – „klug“ verhandelt wird.

Die „Heilige Familie“ steht jetzt wieder einmal im Mittelpunkt des Interesses, nicht nur der Katholiken.
Ganz kurz die wichtigen Fakten:

1.
Am 10. Juni 2026 wird Papst Leo XIV. in Barcelona den höchsten Kirchturm der Welt segnen, jetzt fertiggestellt in der prächtigen, manche sagen monströsen Kirche „Sagrada Familia“, „Heilige Familie“, des Architekten Antonio Gaudí.

2.
Steine segnet der katholische Klerus üblicherweise schon immer gern und ohne Vorbehalt. Bei bestimmten Menschen, etwa Homosexuellen, hat der Klerus auch jetzt noch große Bedenken bei offiziellen Segnungsfeiern: Wenn es noch katholische Homosexuelle geben sollte, die den Segen für ihre Liebe in einer Partnerschaft oder – in einigen Demokratien möglichen – in der Ehe wünschen, dann darf das nur in einer bescheidenen Zeremonie geschehen, irgendwo in einem unscheinbaren Raum, bloß nicht öffentlich in einer Kirche: Denn die katholische Kirche will unbedingt den Eindruck verhindern: Eine Segnung von Homosexuellen habe auch nur entfernt etwas mit einer sakramentalen Eheschließung von Heterosexuellen zu tun. Allein Heterosexuelle sind „ehe-würdig“…

3.
Damit sind wir wieder direkt beim Thema: Mit dem Papst- Besuch des unter Touristen und Spaniern sehr beliebten riesigen Bauprojektes „Sagrada Familia“ („Heilige Familie“) in Barcelona wird erneut von päpstlicher Seite betont: Heilig ist nur die Hetero-Ehe, nur sie ist Sakrament, nur sie verdient alle Achtung nicht nur der Kirche, sondern vonseiten der Menschheit. Bekanntlich hat die katholische Kirche die „Ehe für alle“ auf schärfste mit riesigen Demonstrationen bekämpft, in Frankreich etwa, und auch dort vergeblich. In Afrika zum Beispiel kämpfen Homosexuelle noch gar nicht um die Anerkennung ihrer Partnerschaft, sondern schlicht ums Überleben: Auch katholische Bischöfe verweigen ihnen dort die Menschenrechte, Homosexuelle werden in Uganda, Kenia usw. mit Zustimmung der Kirchenführer verfolgt: Diese Verachtung der Menschenrechte vereint dort die katholische Kirche – und nicht nur sie – mit den fundamentalistischen Muslims auch in Afrika.

4.
Es ist treffend, die katholische Lehre der „heiligen Familie in Nazareth“ eine Ideologie zu nennen. Die offizielle katholische Theologie konstruiert etwas,  wider besseren Wissens muss man sagen: Sie behauptet, Jesus von Nazareth wäre als Einzelkind von Maria und Josef in Nazareth aufgewachsen. Das ist falsch: Im Neuen Testament wird mehrfach betont: Jesus hatte Brüder und wohl auch Schwestern. Wir nennen nur einige der vielen deutlichen Belege zu den Brüdern Jesu in der Familie zu Nazareth: Matthäus 12, 46 ff; und vor allem: Matthäus 13,55; Markus 3,31; Apostelgeschichte 1,14; 1. Korintherbrief, 9, 5 und so weiter… Die im Neuen Testament überlieferten Namen der Brüder Jesu: Jakobus, Josef, Judas, Simon…Die katholische Theologie zieht es vor, diese Brüder immer noch „Neffen“ oder „nahe Verwandte“ zu nennen.

5.
Die Brüder, oft auch Geschwister Jesu genannt (die Namen der Schwestern sind nicht überliefert),  ignoriert die Kirche: Aufgrund ihrer dogmatischen Befangenheit muss die Kirche diese Fakten auch beiseitelegen und so produziert sie das, was man zurecht Ideologie nennt.

6.
Die katholische Lehre will unbedingt daran festhalten: Maria ist zwar die Mutter Jesu, aber sie selbst wurde schon „unbefleckt“ (ein nicht sehr hübscher, bis heute üblicher katholischer Begriff für die Abwesenheit von männlichem Sperma bei der „Zeugung“) empfangen. Und sie selbst als die selbst schon Unbefleckte hat ihr Kind Jesus vom heiligen Geist, auch unbefleckt empfangen. Maria ist also in dieser katholischen Ideologie immer Jungfrau, ewige Jungfrau, wie es in so vielen Gebeten und Liedern heißt: Maria muss für die katholische Kirche auch Jungfrau auf ewig  sein, weil nur auf diese Weise die katholische Kirche die Jungfräulichkeit über alles stellen kann: Deswegen die Keuschheits – Gelübde in den Ordensgemeinschaften, deswegen das Zölibatsgesetz für Priester, deswegen die Abwehr von Frauen im Priesteramt, Frauen könnten befleck sein, also zu schmutzig,  für den heiligen und reinen Dienst am Altar… …:

Diese Jungfrau Maria darf nach der Geburt Jesu nicht noch weitere Kinder geboren haben. Denn dann wäre auch ihr Mann, Josef, der Zimmermann, wahrlich Vater: Für Jesus, den angeblich ohne Sperma empfangenen, ist dieser Josef offiziell sozusagen nur platonischer Nährvater, eine Art guter Onkel also. Ein Vorbild für Männer, die bekanntlich auch Sexualität haben, kann dieser gute Onkel natürlich nicht sein.

7.
Dies also ist die höchst mysteriöse, geradezu märchenhafte heilige Familie: Sie besteht aus einem göttlichen Kind, einer Mutter als Jungfrau und einem sexuell-erotisch nicht-aktiven Vater. Und diese seltsame Familie wird als DAS einzige wichtige Vorbild für die Familien heute propagiert: Papst Benedikt XV. hat das „Fest der Heiligen Familie“ 1920 verbindlich festgelegt, es sollte in den Zeiten nach dem 1. Weltkrieg die Familien stützen und fördern: Aber eben mit dieser mythologischen, märchenhaft – zauberhaften Heiligen Familie aus Maria, Josef und Jesus…

8.

Die Jungfrau Maris wird als diese höchst ungewöhnliche „unbefleckte Mutter“ den Frauen, also den wirklichen Müttern bis heute als höchstes Vorbild empfohlen: Denn diese Jungfrau – Mutter war gehorsam, fürsorglich, Gott-ergeben. Und der asexuelle Vater Josef wird seit Papst Pius XII. (1955) den Männern am 1. Mai als vorbildlicher Arbeiter an der Hobelbank empfohlen, als Fest „Josef der Arbeiter“. Auch dies ist eine Unwahrheit: Josef war Handwerker, kein (proletarischer) Arbeiter, das katholische Alternativ – Fest am 1. Mai ist Ausdruck der Kirche, irgendwie kritisch, aber doch ein bißchen anschlussfähig an die Moderne und die Arbeiterbewegung zu bleiben.

8.
Zur aktuellen Bedeutung: Familie kann für die katholische Kirche also nur eine Hetero – Familie sein. Die katholische Kirche versteift sich mit dieser Ideologie der Kleinfamilie von Nazareth auf das hetero – normative System, das noch in fast allen Ländern, zumal in den vielen autoritär regierten Staaten gilt. Eine Regenbogenfamilie ist für die katholische keine Familie, deswegen setzt sie sich auch nicht für die volle gesetzliche Gleichberechtigung der Regenbogenfamilien in den Staaten ein.

9.

Papst Leo XIV. wird oft als ein etwas progressiver Papst erwähnt, der doch ein bißchen das Interesse hat, die katholische Kirche an das, was vernünftig und human ist in der Morderne, ein bißchen anzuschließen. Dieses immer nur ein bißchen tun und ein bißchen handeln soll der „Einheit“ der Kirche dienen, jeder hat ein bißchen recht, zum Schluss weiß niemand mehr, „wo es lang geht“… Der Kult um die heilige Familie, so wie er jetzt als hetero – normatives Fest gefeiert wird,  ist dafür bester Ausdruck.

10.

Spanien ist jetzt keine „katholische Nation“ mehr, dazu unser aktueller, faktenreicher Hinweis: LINK 

Copyright: Chrosztian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin

Erinnerung an die Journalistin Monika Herrmann, Berlin

Ein Hinweis von Christian Modehn am 2.6.2026

Am Sonntag, dem 31.Mai 2026, ist meine liebe Schwester, die Journalistin Monika Herrmann, gestorben.

Angesichts unserer Trauer über ihren Tod können wir doch nicht darauf verzichten, an Monikas journalistische Arbeiten zu erinnern.

1943 in Berlin geboren, war sie seit 1977 als freie Journalistin tätig für verschiedene Zeitschriften, darunter für das kritische Magazin „Publik-Forum“ sowie für einige ARD-Radiosender, zumal für den Sender Freies Berlin (SFB, später RBB) und auch für das Kulturmagazin „DasFilter“. Auch etliche Bücher zum Thema Sterben und Tod hat Monika Herrmann veröffentlicht. In dem Buch „Kirche in der Stadt“ (KohlhammerVerlag 1981) veröffentlichte sie den Essay über Berlin: „Auf der Suche nach einer neuen Kirchlichkeit“.

Drei ihrer Beiträge wurden auf der Website des Re­li­gi­ons­phi­lo­so­phi­sch­en Salons in Berlin als „Gastbeiträge“ veröffentlicht.

Ihr besonderes, leidenschaftliches, politisch-kritisches, stets mitfühlendes Interesse galt den Ausgegrenzten, den Obdachlosen und den vom Neoliberalismus/Kapitalismus arm Gemachten. Diese zahlreichen Beiträge über viele Jahre hinweg wurden vor allem in evangelischen Zeitschriften (etwa „Die Kirche“ Wochenzeitung in Berlin) veröffentlicht.

Monika Herrmann hat durch ihre Beiträge, inspiriert von kritischer Empathie zumal für die Ausgegrenzten, deutlich Spuren hinterlassen. Ihre Interviews, Aufsätze, Essays, Radiofeatures … zeugen von ihrem humanistischen Geist, der über alles Konfessionelle und Dogmatische hinausgewachsen war.

Monika Herrmanns viel beachtete Gastbeiträge in www.religionsphilosophischer-salon.de:

1. Über den Philosophen und Psychologen Roger Künkel in Berlin, vom 20.6.2011 LINK    https://religionsphilosophischer-salon.de/1672_zwischen-verstand-und-gefuhl-ein-interview_religion-und-philosophie

2.
Über Sineb El Masrar, eine Frau der islamischen Frauenrechts-Menschenrechts-Bewegung, vom 1.3.2016. LINK.  https://religionsphilosophischer-salon.de/7554_probleme-benennen-statt-zu-verschweigen-ueber-sineb-el-masrar-emanzipation-im-islam-ein-gastbeitrag-von-monika-herrmann_religionskritik

3.
Über die Jüdin Eva Kor, die die unglaubliche Kraft der Vergebung lebte, – auch gegenüber dem SS „Arzt“ Mengele, vom 6.7.2019

LINK     https://religionsphilosophischer-salon.de/1025_die-kraft-des-vergebens-eva-kor-vergibt-dem-ss-arzt-mengele_denkbar.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon

„Zwischen“: Ein Wort, das eine Philosophie der Existenz inspiriert.

Ein Hinweis von Christian Modehn, geschrieben am 29.5.2026

Der Anlass
Freundinnen fragten mich: Wie kann ein Einstieg ins Philosophieren gelingen? Eine Möglichkeit: Beginnen wir, auf unsere Wörter und Begriffe des Alltags zu achten. Suchen wir den Inhalt, der über das oberflächliche, schnelle Sprechen hinausweist. Das ist ein erster Schritt. In unserer Sprache zeigt sich faktisch unsere Existenz:

Menschen leben zwischen den Räumen und zwischen den Zeiten. Dieses Zwischen zeigt: Menschen sind selten irgendwo „zu Hause“,  selten ganz „da“ oder definitiv „angekommen“. Wer aber meint, einen festen Platz ohne Zwischen gefunden zu haben, irrt, wird zum Ideologen. Die Existenz im „Zwischen“ ist der  „feste Platz“.

Das Motto
Es gilt also der Vermutung nachzugehen, dass Worte und Begriffe der Alltagssprache unsere schon faktisch gelebte „Philosophien unseres Lebens“ erschließen können.
Wir zeigen an einem Beispiel, die Vielschichtigkeit eines Wortes, selbst einer Präposition: Das „ZWISCHEN“.
Wer auf sein Leben reflektierend „im Ganzen“ schaut, kann nicht darauf verzichten, seine Existenz im ganzen als ein Zwischen zu verstehen. Dahin führen die hier vorgestellten, nicht vollständigen Reflexionen zu unserem Umgang mit der Vielfalt des Zwischen. Was auf den ersten Blick eher schlicht – für „Fachphilosophen zumal – erscheinen mag, führt in ein tieferes, wahres Verständnis der Existenz. Weiteres dazu siehe Nr. 4 in diesem Hinweis.

1.
Der Zwischenraum
Ich warte, gerade in einem Haus angekommen, auf den Einlass in den Behandlungsraum oder das Speisezimmer oder den Festsaal. Im Zwischenraum denke ich an zuvor Erlebtes, etwa den formellen oder freundschaftlichen Einlass ins Haus und warte auf das Zukünftige, das Ziel meines Besuches. Im Zwischenraum fällt die Konzentration und das Nachdenken über diesen Zwischenraum selbst eher schwer. Der Zwischenraum ist ein Wartezimmer, oft von Langeweile bestimmt.
Im Zwischenraum gibt es etwa auch die Schwelle zu bedenken, die ich überschreiten musste, um von der Eingangstür in das Wartezimmer zu gelangen und über die nächste Schwelle dann in weitere Räume, alles Zwischenräume…
Der Philosoph Dieter Thomä weist in seinem Buch „Post – Nachruf auf eine Vorsilbe“ (Berlin, 2025) auf die Schwelle hin, als dem Ort des Übergangs von einem Raum in den anderen (S. 326 ff.). „Die Schwellenlust richtet sich auf die Schwelle selbst. Die Schwelle lädt dazu ein, dass ich innehalte und eine Situation auskoste, die, so Baudelaire „transitoire und fugitive“, „vergänglich und flüchtig,“ ist. …Ich kann auf ihr nicht bleiben, aber kurz verweilen, um die Kunst des Übergangs zwischen Welt und zwischen Zeiten zu üben.“ (S. 329).

Das Zwischenarchiv
Ein Gegenstand wird aus der Ferne zugesandt, an, aber er ist noch nicht beim eigentlichen Empfänger angekommen: Er ruht also zur Abholung im Zwischenlager, im Zwischenarchiv, etwa in Rundfunkanstalten ein üblicher Begriff. Briefkästen sind auch Zwischenlager. Ein Computer voller ungelesener e – mails ist auch ein Zwischenarchiv. Wird die Information im Gehirn gespeichert, entsteht dann schon wieder ein Zwischenarchiv, ein Wissen wird dort gelagert, das irgendwann „abgeholt“ und aktualisiert wird.

Das Zwischenlager
Flüchtlinge, Asylsuchende – etwa aus Afrika – werden nach dem Willen der Demokraten zunächst in Zwischenlagern untergebracht, den sogenannten „Erstaufnahmeeinrichtungen“, welch ein Ungetüm von Wort des büroktatischen Ungeistes. Von diesen „ Erstaufnahmeeinrichtungen“ werden dann die Flüchtlinge wieder vorläufig auf andere Unterkünfte verteilt. Und dann beginnt eine Leben von der staatlicher Duldung bis hin zu einem deutschen Pass in ständigen existentiellen Zwischenräumen. Immer leben diese Menschen existentiell in irgendeinem „Zwischenlager“, sie sind nie angekommen, nie zu Hause, Menschenrechte gelten für sie nur eingeschränkt.. „Zu Hause sein“ – diesen Begriff reservieren sich viele in Deutschland geborene Deutsche und dieses „ihr von Fremden angeblich bedrohte Zuhause“ schotten sie ab, extremistisch-politisch (siehe AfD und die sich gut fühlende, bürgerliche Mitte…).
Die Zwischen-Lager als die speziellen „Einrichtungen“ für „spezielle“ („andere“) Menschen (Flüchtlinge, Gefangene, Dissidenten, Juden ….) sind Ausdruck von Nationalismus, Rassismus, von Herrschaft, die ins Totalitäre umkippen kann. Und in jüngster Vergangenheit umgekippt ist.

Die Zwischenlandung
Hier geht es um die nur hinzunehmende, eher unangenehme, weil zeitverzögernde Unterbrechung auf dem Weg zum Ziel. Die Zwischenlandung führt mich in einen Transitraum: Stilles und oft nervöses Warten und Hin -und Herlaufen in beengten Verhältnissen, Hoffen, dass der Weiterflug pünktlich gelingt. Im Transitraum spielt sich unser Leben wie auf einer abgeschlossenen Insel ab, einer Sonderwelt, die wir nicht verlassen dürfen.

Die Zwischenetage, auch Mezzanin genannt
In dem Wort ist enthalten das italienische Wort „mezzo“, „halb“. Die Zwischenetage befindet sich meist zwischen Erdgeschoss und Beletage, dem ersten repräsentativen Stockwerk. Die Zwischenetage hat niedrige, kleine, eher dunkle Zimmer, sie wurden in Gründerzeiten von den Bedientesten der Beletage bewohnt. Die Herrschaften waren etabliert, sie kannten architektonisch kein „Zwischen“-, während die aus der Fremde stammenden Bedientesten des Mezzanin auch existentiell im Zwischen lebten, zwischen dem Datum ihrer Anstellung und der oft willkürlichen Entlassung.

Die Zwischengrößen
Haben Sie eine ungewöhnliche Figur, lange Arme und kurze Beine, dicken Bauch und schmale Beine, dann brauchen Sie eine Zwischengröße. Der Kommerz der Bekleidungsindustrie denkt an alles und fördert auf seine Weise das Zwischen. Wer Zwischengrößen trägt, kann hoffen, alsbald wieder „normal“, also schlank, zu sein …oder er muss sich mit seinem Schicksal abfinden, modisch in das Normal nicht zu passen, also (da)zwischen zu sein.
Zum Zwischen in der Mode-Branche gehört auch der „Übergang“, in der Form des Übergangsmantels oder der Übergangsjacke: Wenn der Sommer vorbei ist und der Winter noch keine Kälte mit sich bringt, flüchtet man sich in Übergangs-Mode. Diese ist förmlich ein „Wartezimmer“ der Bekleidung, das überbrückende Warten auf die „richtige“ und typische Jahreszeit Winter oder Sommer…

3.
Zwischen den Zeiten
Dazu gehört die übliche Floskel „zwischen den Jahren“: Weihnachten haben Leute schon fast als Jahresende erlebt, aber es steht noch das eigentliche End-Datum Silvester, bevor:
Das Ende des Jahres erzeugt oft Irritationen, unbewusst auch Ängste vor dem Ende überhaupt. Diese Angst überspielen viele mit dem angeblich fröhlichen Silvesterspektakel wieder zu. Aber es gibt die fünf Tage „zwischen den Jahren“, die irgendwie ortlos sind, sie müssen ausgefüllt werden mit allerlei ablenkenden Aktivitäten, mit meditativen (Verdauungs-)Pausen, in der Gestaltung langweiliger Besuche. Es ist eine träge Zeit einer diffusen Erwartung: Neujahr!

Zu „Zwischen den Zeiten“ gehört auch die „Pause“ , die zu als Freiraum zu genießen bekanntlich schwerfällt: Weil man inmitten der Pause doch oft daran denken muss, dass die „Pflicht“ der Arbeit, des Lernens, des Studiums alsbald und sehr schnell wieder das Leben bestimmt. Die Pause in der Opernaufführung ist dann wieder ein ganz kurzer Moment des alltäglichen Lebens – nach der „Verzauberung“ durch Musik und mit der Vorfreude auf die weitere Musik als „Entführung in „andere Welten“. Und nach dem „Opern – Erlebnis“? Wieder der Alltag mit seinen Zwischen-Stationen.

Zu „Zwischen den Zeiten“ gehören auch „Ferien“, oft auch eher bürokratisch Urlaub genannt. Ferien sollten Festtage und Ruhetage sein. Sie werden aber oft nur als etwas längere Pause im Arbeitsalltag erlebt: Er hat eine solche Macht, dass die Ferien nur als Fortsetzung und Variationen des Arbeitsalltags gestaltet werden. Nicht nur in Japan soll es Menschen geben, die aus Liebe zur Arbeit auf die Ferien verzichten… Diese Menschen wollen offenbar ständig die Einförmigkeit, die Monotonie ihres Lebens, sie haben Angst vor Brüchen in ihrer zeitlichen Existenz. Das monotone Leben haben auch Menschen, die sind so arm, dass sie sich keine Ferien-Zeit leisten können. Sie leben in der Monotonie des Immer-(bettel-)arm-Seins, zu der sie die neoliberale Ökonomie getrieben hat.

Der Zwischenbescheid
Die Behörden sind freundlich und bestätigen den Eingang des Briefes, der Beschwerde usw. und fordern uns auf, zu warten, bis der endgültige Bescheid irgendwann eintrudelt. Zwischenbescheide beruhigen eigentlich nicht. Sie suggerieren uns: Die Bürokratie in Deutschland meint es mit dir gut und sie ist noch nicht ganz tot. Und die nächsten Anträge müssen ausgefüllt und auf Zwischenbescheide gewartet werden.

Das Zwischengericht
In guten französischen oder spanischen Restaurants wird nach dem Hors d` Oeuvre das Zwischengericht gereicht, es ist der kulinarische Abschied von der kleinen Vorspeise in Erwartung der Präsentation des großen Haupt – Gerichtes. Diese Erwartungsspannung auf das „Eigentliche“ kann vom gegenwärtigen Genuss ablenken.
Nebenbei: Oft machen Zwischengerichte ihrem Namen alle Ehre, weil sie selbst von der Temperatur her „dazwischen“ sind: Weder heiß noch kalt, sondern eben lauwarm. Lau ist eine Zwischentemperatur, aber auch die charakterliche Eigenschaft von Menschen, die sich nie entscheiden können. Sollen sie nun zum Beispiel leidenschaftliche Kämpfer sein oder stille meditative Mönche: Beide Lebensformen wollen „laue Menschen“ nicht, sie erfinden ihr Lausein und sehen es als eine normale, übliche Lebensform ohne Höhen und Tiefen und Verpflichtungen.

Das Zwischenurteil
In den Behörden der Gerichte gibt es oft die Zwischenurteile: Das Landgericht spricht ein Urteil, aber es wird die nächste Instanz eingeschaltet, vielleicht sogar dann auch das Bundesverfassungsgericht. Das Gerichtswesen mit den stets noch zu korrigierenden Urteilen ist eigentlich selbst ein Zwischen-Wesen. Gegen ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes kann man nur den lieben Gott direkt – oder durch die Zwischen-Instanz Kirche ? – anrufen als den letzten und definitiven Richter.

Die Zwischenhölle
Aber auch der liebe Gott kennt – in der katholischen Version- sein Zwischen: Es gibt die Vor- Hölle, erfunden als Ort zwischen Tod und ewiger Verdammnis in der Hölle: Es gibt auch einen speziellen Zwischen – Ort, den Limbus puerorum, die Zwischenhölle der Kinder, erdacht von katholischen Theologen. Im Limbus befinden sich die ungetauft verstorbenen Babies. Sie sind verdammt, weil sie keine Taufe erlebten, also nicht von der total für alle Wesen geltenden Erbsünde befreit werden konnten. Papst Benedikt XVI. hat allerdings eine Zwischenlösung verordnet, indem er diese Zwischenhölle der ungetauften Kinder als ein nicht mehr als zum Glauben verpflichtendes Dogma definierte. Wie reformbereit doch dieser Papst war! Aber ganz abschaffen wollte Papst Ratzinger diesen himmlisch – höllischen Zwischenraum nicht. Er nahm Rücksicht auf die vielen naiv – reaktionären Katholiken, die gern an dieser Vorhölle – als Zwischenraum vor der endgültigen Verdammnis – festhalten…

4.
Unsere unvollständigen Hinweise zum vielfältigen alltäglichen Gebrauch des Wortes „Zwischen“ zeigen: Wir sind – nicht nur sprachlich – ständig umgeben und bestimmt von „Zwischen“ .Und diese Reflexionen auf das „Zwischen“ sind alles andere als philosophische Spielereien, sie können die Existenz insgesamt erhellen:
Denn mit jedem Gebrauch des Wortes Zwischen werden wir an die Übergänge mitten in unserem Leben erinnert.
Die Geburt ist ein entscheidender Übergang: Vom schützenden, nährenden Leib der Mutter treten wir in die sich langsam gestaltende Freiheit der individuellen Selbständigkeit ein. Aber auch der Prozess des „Erwachsenwerdens“ und das Leben als „Erwachsener“ ist immer von Übergängen bestimmt, von dem Zwischen des Abschieds von einer Lebensphase und dem Eintritt in eine neue.
Für uns ist die Erkenntnis wichtig: Die menschliche Existenz selbst selbst ist ein „Zwischen“, eine ständige Bewegtheit – zwischen einem ständigen Abschied und einem ständigen „Neustart“. Jeglicher Glaube an ein definitives Angekommensein, an ein endgültiges Etabliertsein auf dieser Lebenslinie wird zurückgewiesen.
Das lineare Zeitverständnis allerdings sollte aufgehoben werden von einer vertikalen Dimension, die als Transzendentes „in uns“ immer schon anwesend ist, in unserem Geist, in der Vernunft: Dieses innere Transzendieren reicht in eine größere, „ewige“ Transzendenz. Sie kann und soll die existentielle Unruhe des Lebens in den vielen Zwischenräumen zwar nicht aufheben, aber sie kann sie mit einem besonderen Sinn erfüllen.

5.
Wichtig bleibt: Ein lineares Zeitverständnis mit den vielen Zwischen – Zeiten und Zwischen – Räumen in unserem Leben führt zur Frage nach der Ganzheit unserer Existenz: Wir stammen von Eltern, die selbst erzeugt wurden, alle sind Geschöpfe, die ihre schöpferische Kraft weitergeben. Wir sind also nicht von unseren Eltern „erschaffen“, weil diese ja selbst Erschaffene sind.

6.
Um nicht nur vom Anfang unseres Lebens zu sprechen: Wir gehen auf ein definitives Ende unseres Lebens zu, das heißt auf das Verschwinden unseres Körpers …Etliche Philosophen lassen, wie es sich philosophisch gehört, diese Frage offen: Was denn „danach“ kommt für unseren Geist oder unsere Seele. Unser Körper wird in der Bestattung zu Asche verbrannt. Und einige fragen: Aber wird dabei auch Geist und Seele verbrannt? Oder sind sie als etwas Ewiges IM Menschen zu verstehen?

7.
In diesem Hinweis auf eine Philosophie anläßlich unserer Erfahrungen mit dem Zwischen fehlen noch gewisse Alltags – Sprüche, vielleicht „Weisheitssprüche“.
Zwei Beispiele:

Unsere LeserInnen müssen nicht die Kunst beherrschen, „zwischen den Zeilen“ zu lesen: Wir wollen klar und eindeutig sprechen. Wer zum Lesen „zwischen den Zeilen“ neigt oder wegen der politischen Verhältnisse dazu gedrängt wird, weiß: Im Text selbst wird Wichtiges verschwiegen: Etwa aus Angst vor der Zensur. Zwischen den Zeilen lesen, diese kaum zu lehrende Kunst des Verstehens, entwickeln Dissidenten. Und sie schreiben auch oft „zwischen den Zeilen“, verständlich für Eingeweihte, von der dummen Zensur übersehen. Man denke an Christa Wolfs großen Roman, in der DDR verfasst, „Kassandra“. Wer nur zwischen den Zeilen schreiben darf, verschleiert auch sein eigenes Elend im Unrechtsregime. Lebst nicht gesund…Also: „Zwischen“ kann auch auf die stets gefährdete Existenz aufmerksam machen.

Oder: Zwischen zwei Stühlen sitzen: Wer eine besondere politische, kulturelle oder religiöse Meinung hat, etwa: wer links ist, aber aus guten Gründen weder zur SPD noch zur KPD neigt, der sitzt zwischen zwei Stühlen. Wird als Rebell bezeichnet etc.. Manche Literaten schreiben so ungewöhnlich, dass sie „zwischen allen Stühlen der literarischen Formen sitzen“, vielleicht gilt das für DADA oder den Surrealismus.

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin.

 

 

Aktualisiert am 9. Juni 2026 durch CM